Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445

Kampf um die Weidenburg 29 ziehen muß, um sie nicht zu gefährden 140). Die Tatsachen waren nüch­terner, härter: Heinrich war machtlos, sich zu wehren, wenn der geschickt agierende Cillier zur Legalisierung seines Herrschaftswillens die Vor­mundschaft zu Lebzeiten des Vaters praktizieren wollte. Wir würden uns täuschen, wenn wir Ulrich Mitleid zu Kindern als Triebfeder unterschö­ben. Von Johann als einer Geisel, einem Faustpfand zu sprechen, trifft den Kern der Sache besser 141). Einzig die Stände hatte Ulrich zu berück­sichtigen, die 1444 vermutlich nicht mit seiner Vormundschaftsführung einverstanden waren. Ulrich verweigerte ihnen die Herausgabe des Prin­zen und verbrämte dies mit der Versicherung, er wäre den görzischen Räten nicht mißgünstig gestimmt und würde die Heiratsabsprache zwi­schen Johann und seiner Tochter nicht aus den Augen verlieren 142 *). Von einer weiteren Belästigung durch die Stände erfahren wir nichts. III Das Jahr 1443 schloß mit einem unbestrittenen Höhepunkt für Cilli ab. Nun war die Reihe an Friedrich IV., sich um seinen Anteil an Görz zu kümmern, sollten ihm nicht alle Fäden entgleiten. Der unruhige Cilli war zwar für den König nach der Aussöhnung im August 1443 nicht mehr ein unmittelbar drohender Gegner („comes Cilié stat in pace“ ver­merkt Aeneas am 11. Dezember 1443, hält jedoch nicht viel von diesem Frieden, wenn er hinzufügt, „sed non multa curat regem“)14S), aber Fried­richs Beteiligung an der görzischen Eheeinigung war zu gering. Ulrich hatte den Konkurrenten für die Erbfolge überrundet. Die Schwierigkei­ten, die Friedrich IV. durch die Vormundschaften für Ladislaus und Sigmund erwuchsen, bewogen ihn, sich Heinrich zu nähern 144). Der erste Versuch hiezu war noch von der Überlegung geprägt, durch persönliches Zusammentreffen Kontakte anzuknüpfen. Die um die Jahreswende 1443/ 44 bevorstehende Lehensbestätigung würde die beste Gelegenheit bieten, ins Gespräch zu kommen. Am 14. Januar 1443 hatte Friedrich eingewilligt, daß Heinrich erst in einem Jahr die Lehen empfangen müsse145). Heinrich war gesonnen — wir erinnern uns an seine diesbezüglichen Erklärungen vom 18. Dezember —, dieser Aufforderung nachzukommen. 14°) Czoernig Görz 561. Solche Schlußfolgerungen entsprechen in ihrer moralisierenden Haltung jener Überzeugung Antoninis und Czoernigs (siehe Anm. 128), Heinrich habe versprochen, einen besseren Lebenswandel zu führen. 141) Weingartner Die letzten Grafen 114; Venuti Agonia 51. 142) Die Urkunde ist weder im Original, noch in der Abschriftensammlung erhalten. Einzige Quellen sind die Regesteneintragungen in HHStA Archiv­behelf 331 fol. 310 und 333/2 fol. 595 (wiedergegeben durch C o r o n i n i Ten­tamen 408). In den heute gültigen Repertorien XIV/1/6 und XIV/14/1 findet sich kein Hinweis. Czoernig 562. i«) Brief an Kaspar Schlick: W o 1 k a n Briefwechsel 244. 144) C u s i n Confine 2, 7. 145) Regest bei Lichnowsky 6 (1842) LXIII Nr. 492.

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