Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445
Kampf um die Weidenburg 27 28. November —, daß Heinrich durch Ernennung von „frummen, erberen dienern“ selbst eine tüchtige Ratgebergruppe bilden sollte. Wir hören auch von keiner Opposition der Stände, die für das Recht ihres Herrn plädierten. Die Vermutung ist naheliegend, daß Ulrich in der kurzen Zeit von knapp zwei Wochen all seine Überredungskünste gegenüber den Ständen aufbot, um sie davon zu überzeugen, daß eine einvernehmliche Führung der Geschäfte durch sie und ihn die beste Lösung wäre. Wußte er ihnen einzureden, daß Katharina, hatte sie einmal ihre energische Handlungsbereitschaft gezeigt, vielleicht auch später keine Bedenken kennen würde, gegen ihren alten Gatten aufzutreten? Deshalb wäre es das Klügste, einem Dritten, dem nächsten Nachbarn und Bundesgenossen, zu vertrauen, der mit ständischer Unterstützung zum Besten aller regieren würde. Drohte nicht sonst, unter diesen Aspekten, eine weitgehende Zersplitterung? All dies ist Mutmaßung — unbestreitbar ist, daß die Gunst der Stände Ulrich gehörte, der noch am 11. Dezember (4. Urkunde) die näheren Details zur Regentschaft veröffentlichte. Die konkrete Sprache manifestiert die totale Machtlosigkeit Heinrichs. Er wird seinen ältesten Sohn Johann „in unser (i. e. cillische) gewaltsam anttwur- ten“, damit dieser „als dann ainem sölhen jungen herren wol zugepüret“ ordentlich erzogen wird. Heinrich wird die Gnade gewährt, sein Kind für ein oder zwei Monate bei sich zu haben; der Vater ist aber verpflichtet, den Kleinen wieder an Ulrich zurückzustellen. Der schlaue Cilli wahrt den Schein: Es könnte den Ständen verdächtig erscheinen, wenn er allein sich so in den Vordergrund spielt. So wird pro forma jedes Diktat gegen Heinrich auch im Namen Friedrichs II. von Cilli ausgefertigt — eine reine Floskel, die 1451 von Friedrich als solche deklariert wird 13ä). Der „arme Heinrich“ wird weiter unter Druck gesetzt. Ulrich will absolute Sicherheit, daß Johann 135 136) ihm nicht irgendwann überantwortet wird, er will jedes Hinausschieben unterbinden. Am 18. Dezember ist Heinrich unter dem Drängen der Stände genötigt, genaue Daten für die Übergabe zu fixieren. Wenn er verspricht, seinen Sohn Hans nach seiner Rückkehr von einem Treffen mit König Friedrich IV., „gewislich inner ainem monad darnach nachstkünftig“, auszuliefern, wenn er auch einbezieht, daß sich seine Reise zu Friedrich verzögern könnte und daher als zweite Alternative einen Termin „hinzwischen und der vasnacht schiristkünftig“m) be135) Als in diesem Jahr Heinrich die Cillier um Ausfolgung seines Sohnes ersucht, antwortet ihm Friedrich, daß der Erbprinz nicht bei ihm, sondern bei Ulrich sei, worauf Heinrich seinen Schwager bewegen will, Ulrich zur Herausgabe des Kindes zu veranlassen (Schreiben der Cillier an Heinrich HHStA AUR 1451 Mai 15; unter dieser Signatur auch Friedrichs Antwort von 1451 Juni 15 und Heinrichs Bitte um Intervention an Friedrich von 1451 Juli 20, Druck bei C h m e 1 Geschichtsforscher 2, 532, 533 f, 535). Czoernig Görz 562. is«) Wenn Heinrich und Katharina 1438 geheiratet haben, ist der älteste Sohn zur Zeit der Niederlage seines Vaters höchstens vier Jahre alt. is?) 25. Februar 1444.