Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445

Kampf um die Weidenburg 15 zu einem Ausgleich zu kommen. Die mangelnde Durchschlagskraft wird für den alternden Heinrich zum kennzeichnenden Merkmal werden. Trotz der erwähnten Rivalität brach Heinrich nicht mit den Cilliern. Über den Tod seiner Frau Elisabeth, den Wutte für circa 1426 ansetzt71), und seines Bruders Johann Meinhards72) hinaus, hielt der nun allein regierende Görzer an dieser Gemeinschaft fest, die in der 1437 verein­barten gegenseitigen Erbfolge ihren Höhepunkt fand73). Die Episode, nach der Heinrich IV. seinen Schwager Friedrich II. wahrscheinlich 1431 aus der Gefangenschaft des Markgrafen von Ferrara auslöste, muß nicht der historischen Wahrheit entsprechen 74), doch kann sie in ihrem Kern als Ausfluß der aller Welt sichtbaren Verbundenheit der beiden Familien angesehen werden. Möglicherweise war letztere das Resultat der Span­nungen, die sich für Heinrich aus seinen Beziehungen zu Venedig ergaben. Der Ausgleich mit den Cilliern war das kleinere Übel, wenn man die schwierige Lage gegenüber der Signorie ins Auge faßte. Erschwerend war, daß der Görzer sich gegen Venedig gerade in den gleichen Jahren der gesteigerten cillischen Aktivität behaupten mußte. Es ist vielleicht über­trieben, den Ausdruck „Zerreißprobe“ zu gebrauchen, — jedenfalls könnte die Stärke des südlichen Nachbarn Ursache für eine nachgiebigere Verhaltensweise gegenüber den Verwandten gewesen sein. Das Jahr 1420 war für Heinrich auch als Grafen der eigentlichen Graf­schaft Görz ausschlaggebend: Ursprünglich Lehensträger des Patriarchen von Aquileja hatte das Geschlecht mit dem Generalkapitanat von Friaul, das bei Sedisvakanz in Funktion trat, eine überragende Position aufge­baut75). Vieles war in Friaul allerdings bereits nach dem Tod Hein­richs II. 1333 verloren gegangen 76), und der rührige Ortenburger hatte Heinrich IV. als Generalkapitän und Vogt von Aquileja verdrängt. 1420 fiel Aquileja an Venedig77), das in Udine einen „luogotenente generale della patria del Friuli e del patriarcato di Aquileja“ einsetzte 78). Hein­71) Wutte Erwerbung 300. 72) Coronini Tentamen Tafel 3 ad 155 nennt 1430, Teuffenbach Kurzer Abriß 38 wie C u s i n Confine 2 Tafel II des Anhangs 1429 als Todes­jahr. 73) Siehe oben S. 4 f. 74) Franz K r o n e s Graf Hermann II. von Cilli in Mittheilungen des Historischen Vereins für Steiermark 21 (1873) 130 f. Bei Wolfgang Lazius De gentium aliquot migrationibus sedibus fixis, reliquis linguarumque initiis et immutationibus ac dialectis libri XII (Francofurti 1600) 174 wird umgekehrt Heinrich durch die Zahlung seines cillischen Schwagers befreit. Da aber Lazius’ Kapitel über die letzten „palatini Carnorum“ ein Gemisch von nachlässig und falsch bearbeiteten Einzelheiten darstellt, ist an der Glaubwürdigkeit seiner Version sehr zu zweifeln. 75) Wiesflecker Entwicklung 333. 76) Wiesflecker Entwicklung 345. 77) Wiesflecker Entwicklung 355 f. 78) Paschini Storia 2, 339.

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