Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Rezensionen 431 ein Porträt Ferdinands auf einem Stammbaum der Habsburger wieder­gegeben ist; ferner findet sich auf dem Haus in Krems, Steiner Landstraße Nr. 84 — ehemaliges kaiserliches Mauthaus — ein ikonographisch bedeu­tungsloses Medaillon mit dem Bildnis Ferdinands. Von Wichtigkeit hinge­gen ist die Darstellung Ferdinands in der Lanndtßordnung der Fürstli­chen Grafschafft Tirol (Innsbruck 1532). Der Monarch sitzt auf einem Thron, bekleidet mit pelzverbrämtem Mantel, in den Händen die Königs­insignien, auf dem Haupt eine Krone. Überdies trägt er das Goldene Vlies. Der Thron wird umrahmt von den Wappen Ferdinands I. als römi­scher König (einköpfiger Adler), Württembergs, Böhmens, Ungarns, Öster­reichs und Tirols (The 16"‘ Century, Part II. Catalogue 201 von Gilhofer und Ranschburg, Wien, Nr. 904, Tafel 13). Ein Buch, das volle Anerkennung verdient, zumal auch die Reproduk­tionen einwandfrei gelungen sind. Zugleich sollte die Publikation Ansporn dafür sein, daß auch die Kaiser Maximilian II. und Rudolf II. eine ähnliche Würdigung erfahren, fehlt es doch bei diesen beiden Herrscherpersön­lichkeiten nicht an reichem ikonographischen Material. Harry K ü h n e 1 (Krems a. D.) Georg G r ü 11, Der Bauer im Lande ob der Enns am Ausgang des 16. Jahr­hunderts. Abgaben und Leistungen im Lichte der Beschwerden und Ver­träge von 1597—1598. (Forschungen zur Geschichte Oberösterreichs, hg. vom Oberösterreichischen Landesarchiv 11.) In Kommission bei Hermann Böhlaus Nachf., Linz 1969. 296 S., 8 Taf., 1 Karte. Der Autor legt ein weiteres Teilergebnis seiner umfassenden Forschun­gen über die wirtschaftliche und soziale Lage des bäuerlichen Untertanen­standes in Oberösterreich vor. Den Angelpunkt der Darstellung bilden die Bauernunruhen der Jahre 1596 und 1597, die einleitend in ihrem zeitlichen Ablauf kurz geschildert werden. Das eigentliche Anliegen der Arbeit sind jedoch die anschließenden Verhandlungen der Grundherren und Bauern vor der durch eine Interimsresolution Kaiser Rudolfs II. vom 6. Mai 1597 in Linz ins Leben gerufenen Kommission; dieses „Provisorium“ blieb die gültige Grundlage für die Regelung der wechselseitigen Beziehungen bis ins 19. Jahrhundert. Die der Kommission vorgelegten Bauernbeschwerden, die — soweit sie Untertanen geistlicher Institutionen oder des Ritter­standes betreffen — im Stiftsarchiv St. Florian erhalten geblieben sind, gewähren bis in kleinste Einzelheiten Einblick in die Belastungen, denen die Bauernschaft ausgesetzt war. Zur Illustration der materiellen Lage des Bauernstandes in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts werden ergänzend Verlassenschaftsinventare und Auszüglerverträge aus dem oberösterrei­chischen Landesarchiv, für den Herrenstand einzelne in verschiedenen Herrschaftsarchiven vorfindliche Beschwerdeschriften herangezogen. Das Kernstück des Buches (S. 102 bis 214) ist eine systematische Zusammen­stellung der Abgaben und Leistungen, zusammengefaßt in folgende Gruppen: Geld- und Naturaldienste, Anfeilung und Fürlagen, Steuern, Freigelder, Taxen und Zehrungen, Robot und Robotgeld, dazu Waisen­dienst und Viehfütterung, Zehente. Die „besonderen Beschwerden“ bezie­hen sich namentlich auf Gerichtswesen und Beeinträchtigung der Reli­

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