Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
AUER, Leopold: 19. Stage technique international d'Archives
Österreich 403 Den Problemen der Konservierung und Restaurierung waren Vorträge von Pierre Durye und Yves Metman gewidmet. Ihre Ausführungen boten eine Zusammenfassung der bisher zu diesem Thema gemachten Erfahrungen, die im allgemeinen auch von anderswo bekannt sind, so daß hier nur wenige Punkte angeführt werden sollen. Für die Papyrusrestaurierung wies P. Durye auf eine in den Archives Nationales entwickelte, neue Methode hin, bei der das Dokument zwischen zwei durch Methylmetacry- lat verbundene Plexiglasplatten eingebettet wird. Zur Konservierung und Restaurierung von Papier bedient man sich zunehmend der Lamination nach der Methode Barrow. Während hier heißes Zelluloseazetat zur Anwendung gelangt, wurde in Neu-Delhi von Yasphal Kathpala ein kaltes Verfahren entwickelt, das z. B. von der Dependance der Archives Nationales in Aix-en-Provence übernommen wurde. Ein anderes heißes Verfahren, bei dem das Zelluloseazetat durch Vinylchlorid ersetzt wird, ist noch zu wenig auf seine Haltbarkeit und Widerstandskraft hin untersucht. Höchst verblüffend sind die Erfolge, die die Nationalbibliothek in Sofia mit einer 1969 entwickelten Methode zur Restaurierung löchrigen Papiers erzielt hat. Löcher und Risse werden unter großem Druck mit einer Papiermasse ausgefüllt, ohne daß Nahtstellen Zurückbleiben. Das Ergebnis dieser Restaurierung konnte an Beispielen begutachtet werden, der Arbeitsgang der Maschine wurde von den Bulgaren noch nicht mitgeteilt. — Für die Siegelkonservierung ist das Prinzip maßgebend, nur Abgüsse oder Fotografien, aber niemals Originale den Benützern zur Verfügung zu stellen. Das wissenschaftliche Programm des Stage, das hier nur ausschnittweise skizziert werden konnte, wurde für die ausländischen Teilnehmer mit einer Studienreise in die Normandie abgeschlossen (für die Chartisten geht der Stage erst Ende Juni zu Ende). Neben der Besichtigung von Archivneubauten und Kunstdenkmälern (Kathedralen von Bayeux, Caen, Coutances und Rouen, Mont Saint-Michel, Tapisserie von Bayeux) hatten die Teilnehmer Gelegenheit, den guten gegenseitigen Kontakt, der sich während der gemeinsamen Vorlesungen und sonstigen Veranstaltungen, unter denen die von den Archives Nationales veranstalteten Empfänge nicht vergessen werden sollen, ergeben hatte, zu vertiefen. Die ausgezeichnete Organisation der Reise war ebenso wie die klaglose Abwicklung des gesamten Stageprogramms dem Direktor des Service du Stage, Robert Marquant, zu verdanken, der stets bemüht war, den Aufenthalt jedes einzelnen Teilnehmers so angenehm und nutzbringend wie möglich zu machen. 26*