Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

HÖFLECHNER, Walter: Die „Regule ad extrahendum litteras ziferatas sine exemplo“

384 Walter Höflechner sich bei den Regeln um ein Fragment aus einem Lehrbuch des Chiffren­wesens oder etwas ähnliches handelte; und in einem solchen Falle ent­spräche der letzte Absatz einer ,Moral von der Geschichte“, in der dem Schüler der logische Gedankengang, der in variierter Form ja ohne Zwei­fel auch bei komplizierteren Schlüsseln verwertbar ist, aus dem Anfangs­stadium herausgenommen und mit der Realität der wesentlich kompli­zierteren Systeme konfrontiert wird. Hier würden also wohl alle Register gezogen werden, wenn dies der Fall wäre. Auf Grund der hier dargestellten Verhältnisse erscheint es nicht mehr wahrscheinlich, daß Simonetta der Autor der Regeln ist. Es ist vielmehr anzunehmen, daß er sie im Zuge seiner Beschäftigung mit dem Chiffren­wesen und der Reform der Kanzlei — auf deren Spuren man in den Diarien wiederholt stößt — wieder aufgefunden und als einen Fund von Interesse und einer gewissen Kostbarkeit in sein Diarium eingetragen hat. Damit stellt sich die Frage, wer denn nun der Autor dieser Regule ad extrahendum litteras ziferatas sine exemplo gewesen ist und wann sie entstanden sein mögen. Die Lösung der ersten Frage wird wohl nur ein Zufallsfund ermöglichen, die der zweiten wird mit der ersten Zusammen­hängen. Derzeit kann man nur vermuten, daß die Regeln um einiges älter, als bisher angenommen, sein dürften. Man wird nicht weit in die Irre gehen, wenn man es für möglich hält, daß sie knapp nach 1400, auf jeden Fall aber wohl vor 1435 entstanden sein dürften 27). 27) Dies auf Grund der bei Meister angegebenen Schlüssel und Texte: Lavinde kennt wohl die Terminologie und den Nomenklator, nicht aber — zu­mindest in den angegebenen Schlüsseln — die Verdopplung der Durchgänge im Alphabet. Diese weist für die Vokale i und u bereits ein Schlüssel „aus der Geheimschrift der Pisaner Päpste... nach 1412“ auf, dessen einer Benützer in Bologna saß. Alle erforderlichen Kennzeichen weist erst der bei Meister Anfänge 35 angeführte und aus dem Jahre 1435 stammende Schlüssel aus der Korrespondenz des Gesandten des Markgrafen von Este in Mailand auf. Kurioserweise ist der erste Buchstabe (sic) in den breviores dictiones ein q!

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