Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
MECHTLER, Paul: Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik
198 Paul Meditier dieser „Materialbahn“ keine Regelmäßigkeit in der Betriebsabwicklung erzielt werden. Nach den letzten in Wien eingelangten Berichten aus Spalato vom 15. Oktober 1918 sind noch im September (!) die Bauarbeiten auf der Likabahn forciert worden; alle Tunnels waren bereits durchschlagen und bei den großen Brücken wurde mit der Montage der Tragwerke begonnen ''"'). Trotz der noch während des Ersten Weltkrieges erzielten Fortschritte konnte die Likabahn im Königreich Jugoslawien erst am 22. Juli 1925 eröffnet werden, somit nach einer effektiven Bauzeit von 12 Jahren!* 56). Selbstverständlich vermochte Split durch den so spät erreichten Bahnanschluß an das mitteleuropäische Eisenbahnnetz seine verlorene Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Adriahäfen nur mehr teilweise aufzuholen. Bald machten sich überdies die Mängel der Likabahn bemerkbar: in jedem Winter kam es trotz des Einsatzes großer Arbeitermassen und vieler Schneepflüge zu tagelangen Verkehrsunterbrechungen (im Jahre 1929 84 Tage!), sodaß die in der Monarchie so oft geäußerte Kritik an diesem Bahnprojekt nachträglich ihre Rechtfertigung fand 57). Interessanterweise griff man in den Dreißigerjahren wieder auf das Unatalbahn- projekt zurück (Sunja—Bihac—Knin), das in betrieblicher Hinsicht verschiedene Vorteile bot. Hier waren die Bauarbeiten bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in vollem Gange, sodaß die Eröffnung der zweiten Eisenbahnverbindung nach Split erst nach 1945 stattfand. Dalmatien dürfte also — vor der Einstellung von Schmalspurlinien in den letzten Jahren — zu jenen Teilen der ehemaligen Donaumonarchie zählen, die nach 1918 perzentuell den stärksten Zuwachs an Eisenbahnkilometern erreicht hatten S8). Zeit vom 9. bis zum 12. September 1959 (Wien 1960) 139—145 (Referat von August O. Loehr). Über die Bahnen selbst: Lange Das Eisenbahnwesen in Bosnien und Herzegowina 1123—1126 und Alfred Horn Die Bahnen in Bosnien und der Herzegowina (Wien 1964) 60—62. 65) VA Eisenbahnbaudirektion ZI. 1633/1918. 56) Dragomir Arnaoutovitch Histoire des chemins de fer yougoslaves (Paris 1937) 249—251. *7) Zeitung des Vereins Mitteleuropäischer Eisenbahnverwaltungen 74 (Berlin 1934) 517. Auf die Schwierigkeiten in der Betriebsführung von Eisenbahnlinien im Karst während der Wintermonate weist ein undatiertes Memorandum im Nachlaß Baernreither 47 in der Abteilung Haus-, Hof- und Staatsarchiv des österr. Staatsarchivs hin. 58) Theodor Veit er Die Italiener in der Österr. Ungar. Monarchie (Wien 1965) 28—35 streifte auch die Eisenbahnprobleme Dalmatiens, welche in der einschlägigen Literatur kaum beachtet wurden.