Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

MECHTLER, Paul: Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik

Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik 181 Ein nachträglich gestelltes Ansuchen zwecks Bewilligung auch von Vorarbeiten für eine Linie von Sémiin zur serbischen Grenze wurde allerdings abgelehnt, weil das Reichskriegsministerium von allem An­fang gegen dieses Projekt gewisse Bedenken hegte 3). Die Bemühungen Bajamontis führten zu keinem praktischen Ergebnis, ebensowenig die Bestrebungen der Handelskammer in Zara (Zadar) für eine projektierte Eisenbahn von Zara über Banjaluka nach Esseg. Bereits bei diesen ersten Planungen für Bahnlinien trat der Konkurrenzkampf zwischen Zara und Spalato in Erscheinung, der sich auch später verzögernd auf die Auf­nahme von Bauarbeiten auswirken sollte. Um alle Interessenten zufrie­denzustellen, tauchte der unglückselige Gedanke einer dalmatinischen Längsbahn auf; Knin sollte einerseits mit Zara, andererseits mit Spalato, Ragusa (Dubrovnik) und Cattaro (Kotor) mit einem Schienenstrang ver­bunden werden. Auch in den Entwurf eines Eisenbahnnetzes für die Monarchie aus dem Jahre 1864 war Dalmatien noch nicht eingeschlossen worden. In diesem Elaborat war zwar die Ausführung einer Linie von Karlstadt (Karlovac) nach Fiume (Rijeka) in Kroatien enthalten, ein Bahnbau, der eher negative Auswirkungen auf die Verkehrslage von Dalmatien zeitigte. Dadurch wurde zunächst den Planungsarbeiten eine bestimmte Richtung gegeben. Am 12. Juni 1864 erteilte das Handelsmini­sterium die Vorkonzession an die Stadtgemeinde Zara für eine Linie von Zara über Knin bis zum Anschluß an die Eisenbahn nach Fiume und an die Handelskammer in Spalato für eine Linie von Knin nach Spalato 4). Auch hier scheiterte schon die Ausführung von Vorarbeiten an der Kosten­frage. Erst unter dem Handelsminister Bernhard Freiherr von Wüllerstorf (30. September 1865—18. April 1867) beschäftigten sich Zentralstellen zum erstenmal mit der Planung von Eisenbahnlinien in Dalmatien. Es ist sicherlich kein Zufall, daß der Handelsminister noch im Kriegsjahr 1866 der Generalinspektion der österreichischen Eisenbahnen den Auftrag gab, Trassierungsstudien in diesem Kronland vorzunehmen. Nur Persön­lichkeiten, die besonderen Wert auf die maritime Stellung Österreichs legten, standen den Verkehrsproblemen Dalmatiens aufgeschlossen ge­genüber, wie zum Beispiel später Erzherzog Franz Ferdinand. Vizeadmiral Wüllerstorf trat auch nach seinem Ausscheiden aus dem Ministeramt publizistisch für Bahnbauten in Dalmatien ein 5). Nach Abschluß des Ausgleiches mit Ungarn setzte aus verschiedenen Gründen geradezu fieberhaft der Eisenbahnbau in der gesamten Monarchie ein. Inländische und ausländische Kapitalskräfte interessierten sich auch für Eisenbahnbauten in Dalmatien, obwohl die politischen und wirtschaft­3) VA HM ZI. 71/1863. 4) Die betreffenden Akten waren schon 1870 unauffindbar! 5) So zum Beispiel: Das Eisenbahnnetz im westlichen Theile der österr.- ungar. Monarchie mit besonderer Berücksichtigung des Adriatischen Meeres (Wien 1875).

Next

/
Oldalképek
Tartalom