Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

72 Alphonse Sprunck sammen, aber er nehme nicht an, daß sie sich um die Hauptsachen küm­merten. Diese Besprechungen verursachten hohe Kosten. In Erwartung ihres Abbruches machten die Franzosen den Spott mit diesem sogenann­ten Friedenskongreß. Es war nicht richtig, wie in französischen Zeitungen gemeldet wurde, die Generalstaaten hätten den Vertretern des Herzogs von Anjou Pässe für Utrecht ausgestellt. Auch ein Antrag der verwitweten Königin von Spanien, die in Frankreich festgehalten wurde, einen Paß für den Herzog San Pedro zu erhalten, war verworfen worden, doch sollte er für sie private Forderungen durchsetzen. Die zukünftigen Er­eignisse in Spanien sah Hortiz als entscheidend an. Am liebsten hätte er den Abbruch der Verhandlungen gesehen, da die Bevollmächtigten Lud­wigs XIV. die Gelegenheit benutzten, um Uneinigkeit unter den Gegnern zu stiften 2) und unter der Bevölkerung Propaganda für einen baldigen Friedensschluß zu machen. Am 23. September schrieb Hortiz von Utrecht aus an Kurz, die Fran­zosen hätten Douai eingenommen und die Belagerung von Quesnoy be­gonnen; in dieser Festung hatten die Holländer ihr Arsenal für ihre schwere Artillerie. Prinz Eugen stand mit seinen Truppen dem Feinde gegenüber, aber die Holländer hatten ihm die Hände gebunden, da sie ihre Truppen nicht einsetzen wollten. Natürlich war Hortiz ganz entsetzt über den Umschwung in den südlichen Niederlanden zum Schaden Öster­reichs. Der Kaiser hatte Consbruch, seinem dritten Bevollmächtigten in Utrecht, erlaubt, wegen seiner schlechten Gesundheit nach Wien zurück­zukehren. Corzana sollte den Kongreß verlassen, wenn die Vertreter Philipps von Anjou dort zugelassen würden, doch sollte er in Holland verbleiben. Am 23. Oktober sandte Hortiz an Kurz eine Flugschrift, mit der Be­merkung, er habe aus England eine günstige Nachricht erfahren: im Mi­nisterium waren Streitigkeiten ausgebrochen 3). Besonders scharf war der Gegensatz zwischen dem Großschatzmeister und einem Kommissär, dem vorgeworfen wurde, er habe seine Vollmachten überschritten, als er die Nachricht vom Waffenstillstand veröffentlichen ließ. Hortiz hoffte, durch diese Streitigkeiten würden die Intrigen auf gedeckt werden, die zum Um­schwung der Lage in den Niederlanden geführt hatten. Am 10. November schrieb Hortiz an Kurz, seine beständigen Reisen zwischen Utrecht und dem Haag würden ihn an einer regelmäßigen Be­richterstattung hindern, doch glaubte er, ihm die wichtigsten Nachrichten gemeldet zu haben. Die englischen Truppen führten sich in Flandern als 2) Der holländische General Albemarle wollte die Verantwortung für die Niederlage bei Denain auf den Prinzen Eugen schieben. C. C. P. E., November 1712, S. 355 f. 3) Gegen die Rede der Königin von England wurde damals in Holland eine Flugschrift verbreitet unter dem Titel: Les Soupirs de l’Europe. C. C. P. E., Februar 1713, S. 132.

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