Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
70 Alphonse Sprunck Königin Vollmachten erhalten, einen Waffenstillstand von zwei Monaten abzuschließen. Den Offizieren der ausländischen Truppen, die in englischem Dienste standen, hatte Ormond befohlen, bei seinen Truppen zu bleiben, da er sonst keine Rückstände ihres Soldes bezahlen würde. Diese hatten ihm geantwortet, sie hätten keinen Befehl von ihren Landesherren, sich von den Verbündeten zu trennen und müßten diesen zuerst seinen Befehl weitergeben 41). Ob Ormond sich nach Cambrai begeben würde, um dort Geiseln für die Übergabe von Dünkirchen in Empfang zu nehmen, wußte noch niemand. Sinzendorf und Consbruch waren schon im Haag, wo auch Corzana am 29. Juni ankommen sollte. Wegen der Veränderung der Lage mußten neue Verhandlungen mit den Generalstaaten und den Ministern der Verbündeten geführt werden; Hortiz hoffte, die Überlassung von Dünkirchen an die Engländer müsse die Holländer bewegen, die größten Anstrengungen zur Fortsetzung des Krieges zu machen. Am 19. Juli schrieb Hortiz an Kurz, Strafford habe den Generalstaaten erklärt, die Königin wünsche, daß auch sie die Friedensvorschläge Ludwigs XIV. annähmen. Vorläufig sollten die Waffen zwei Monate lang ruhen. Besonders heftige Debatten waren unter den Holländern entstanden, von denen jedoch die Mehrheit für die Verweigerung eines Waffenstillstandes eintrat. Eine Fortsetzung des Krieges sei noch nicht gewiß, aber da der Kaiser die höchsten Anstrengungen machte, könnte schließlich doch die Absicht der Engländer und Franzosen verhindert werden. Die Engländer könnten Dünkirchen nicht besetzen, wenn die andern Verbündeten unter sich einig blieben, aber in London rechnete niemand mit dieser Möglichkeit. Niemand wußte, was ihre Generäle beabsichtigten. Da die Holländer sich der englischen Magazine in den eroberten Städten bemächtigt hatten, hatten die Londoner Minister mit Versailles ein Abkommen über den Unterhalt der englischen Truppen geschlossen. Hortiz rechnete immer noch mit der Möglichkeit, den Krieg ohne die Mithilfe Englands fortzusetzen, und dem Erfolg einer Offensive, die den kaiserlichen Truppen den Weg ins Innere Frankreichs öffnen könne. Aber am 31. Juli mußte er Kurz melden, daß die Franzosen bei Denain einen entscheidenden Sieg errungen hatten. Immerhin behauptete er, sie überschätzten diesen Erfolg und es sei keine Rede davon, daß der Kaiser jetzt zum Frieden genötigt wäre42). Die Engländer hatten Dünkirchen am 19. Juli besetzt. Ihre Truppen, die sich von denen des Kaisers getrennt hatten, lagerten zwischen Gent und Brügge; zu jeder Zeit konnten sie diese Städte besetzen. Von England war das Schlimmste zu befürchten, da die Londoner Minister ihre Forderungen um jeden 41) Arneth, Band 2, S. 235. 42) „Poco ó nada habrán ganado en esta ruydosa acción que algunos quie- ren asegurarse nos obligará a hager la paz como desean los enemigos, pero no parece tienen fundamento para inferir consequencias tan melancolicas.“