Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
64 Alphonse Sprunck Beginn fordern, daß der Herzog von Anjou auf Spanien und seine Kolonien verzichte. Viele Franzosen behaupteten, es sei Unsinn, den Krieg fortzusetzen, um diesem Prinzen eine Königskrone zu verschaffen; wie behauptet wurde, hatte dessen Bruder, der verstorbene Dauphin, in einer Ratssitzung dasselbe erklärt22). Trotz der schlechten Witterung hatten die Truppen der Verbündeten an der französischen Grenze ein Lager aufgeschlagen, um die Gegner zu verhindern, eine sichere Verteidigungslinie zu bilden. Sicherlich hatte Hortiz keine Erlaubnis erhalten, nach Frankfurt zu kommen, da niemand daran gedacht hatte, ihn beim Kaiser für eine Gunst zu empfehlen. Als echter Kastilianer war er sehr stolz auf seine Uneigennützigkeit 23). Die französischen Kommissäre für die Utrechter Verhandlungen sollten in zwei Tagen in Brüssel ankommen. Seinem Briefe legte Hortiz zwei Flugschriften bei. Am 22. Dezember 1711 hatten die kaiserlichen Truppen in Spanien einen Sieg errungen. Auf Befehl Sinzendorfs wollte Hortiz am 3. Februar 1712 nach dem Haag reisen. Mit Angst erwartete er Meldungen über die Verhandlungen des Prinzen Eugen und des Grafen de la Corzana in London; die Verbindungen mit England wurden durch die schlechte Witterung behindert. Mit Ausnahme der Vertreter des Kaisers weilten die aller kriegführenden Staaten seit dem 1. Februar im Haag. Hortiz glaubte, die Generalstaaten wollten die Verhandlungen aufschieben, bis sie über Nachrichten über die Verhandlungen in London verfügten. Seinem Schreiben legte er zwei Flugschriften bei, die sehr gut redigiert waren. Am 5. Februar langte er im Haag an. Am 7. meldete er Kurz, die Vertreter Ludwigs XIV. hätten dermaßen ungebührliche und lächerliche Vorschläge gemacht, daß auch Engländer, die ganz dem Frieden geneigt waren, sie abweisen müßten 24). Zwar hatte Prinz Eugen noch nichts aus London gemeldet, aber sicher würde diese Regierung ihren Mißgriff ein- sehen, daß sie die Zugeständnisse, die Frankreich in Gertruydenberg gemacht hatte, nämlich den Verzicht auf die gesamte spanische Monarchie, nicht als Vorbedingung für Verhandlungen gestellt hatte. Wegen der hohen Ausgaben für seinen Aufenthalt im Haag verfügte Hortiz über kein 22) Auch Saint-Simon lobt in seinem Nekrolog des Dauphins dessen Abneigung gegen den Krieg. Band 3, S. 1184. 23) „Ni ha havido quien se acordase de mi, ni tan poco por mi mismo he pedido alguna (mércéd) ni jamás desearé otra cosa, sino es que Diós le (a Su Magestad) haga tan dichosä y le dé tan larga vida y succesiön, como sus vassallos hemos menester.“ 24) Über ein Flugblatt, das solche lächerlichen Vorschläge für den Frieden enthielt: C. C. P. E., April 1712, S. 281 f. Die französischen Vorschläge wurden veröffentlicht in derselben Zeitung, April 1712, S. 281. — Die katholischen Niederlande sollten Max Emanuel überlassen werden. Ludwig XIV. hätte ihm einige Festungen an seiner Nordgrenze abgetreten.