Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

480 Literaturberichte Die Kontinentalsperre hatte auch für Österreich mannigfache Folgen. Der Ausbau des Kontinentalsystems führte zu einer beklemmenden An­näherung Napoleons an den Zaren und zwang Österreich schließlich zum Abbruch der Beziehungen zu England. In diesem Zusammenhang kam es zu Differenzen Metternichs mit seinem älteren Kollegen in London, dem Fürsten Starhemberg, wobei der jüngere Diplomat nicht immer loyal han­delte. Überhaupt zeigt sich schon früh die eitle Selbstgefälligkeit des spä­teren Staatskanzlers. Dabei erwies er sich in der Beurteilung seiner Rolle keineswegs als Realist. Sein persönliches Hochgefühl wurde zu oft von einem ausgeprägten Wunschdenken bestimmt, wenn er sich auch einen sicheren Blick für die Grenzen seines großen Gegenspielers Napoleon bewahrte. Eine große Wendung brachten der Ausbruch des Krieges in Spanien und die Entrevue von Erfurt, von der Österreich ausgeschaltet blieb. Stadion begann mit den österreichischen Rüstungen und schon im August 1808 war die Lage einmal sehr kritisch. Metternich plädierte weiterhin eher für eine zurückhaltende Politik Österreichs. B. weist aus den Quellen nach, daß der Botschafter in Paris nicht zur Kriegspartei von 1809 zählte, wie in der Literatur immer wieder behauptet wurde. Sein Verhältnis zu Stadion war niemals gänzlich ungetrübt und als er im November 1808 nach Wien reiste, hat ihn der Stand der Kriegsvorbereitungen eher über­rascht. M. machte die Politik Stadions zu einem deutschen Nationalkrieg mit, weil die Entscheidung bereits gefallen war. Er billigte sie insoweit, als jetzt die militärischen Kräfteverhältnisse auch seiner Meinung nach eher günstig waren. Nach seiner Rückkehr nach Paris Anfang 1809 nützte er seine letzten Monate auf dem Botschafterposten noch aus, indem er von Talleyrand nach dessen endgültigem Bruch mit Napoleon wichtige militärische Infor­mationen erhielt. B. beweist abschließend, daß Metternichs Prophe­zeihungen in der Folge nicht eingetreten sind, doch hatte er bereits in Paris eine Ahnung von der ungeheuren Problematik der kommenden euro­päischen Neuordnung. Die ausgezeichnete Studie von B. besticht vor allem durch ihre aus­gebreitete Quellenbenützung. In Wien ist es ihm im Haus-, Hof- und Staatsarchiv gelungen, im Bestand der Großen Korrespondenz Briefe Metternichs an Bombelles als an Stadion gerichtet zu rektifizieren. Er benützte ferner die Bestände aus Plaß und die Archive in Paris, München, Stuttgart und Karlsruhe und bewies damit, was sich noch auf Grund der Primärquellen erzielen läßt. Hier müssen wir auch gleich den Hauptmangel des ersten Bandes von K. feststellen, der nur für die Zeit von 1808/09 Archivquellen heranzieht und auch dies nur im ungenügenden Maß. Sonst beruht der Band vor­wiegend auf der Literatur über Metternich und den Nationalismus im allgemeinen. Nach K. war für Metternichs Haltung seine Herkunft aus einer reichs­ständischen Familie bestimmend. Von hier aus erklärt sich vieles im Wesen des späteren Staatskanzlers, seine Stellung zur französischen Revolution, zur Auflösung des Reiches und zum Rheinbund, in gewissem Maße auch

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