Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

Österreich 461 ehemaliger Zukirchen. Bei einem Teil von ihnen sind darüber auch Akten vorhanden. Für die Besetzung der Pfarren waren Patronat und Vogtei entschei­dend. Die Akten darüber verdanken ihre Entstehung meist bestehenden Meinungsverschiedenheiten über den Umfang beider Rechtsinstitutionen. Im Laufe des 16. Jhdt. konnten sich die Klöster als Patronatsinhaber kaum der Übergriffe ihrer Vögte erwehren. Aber auch das gemeinsame Bekennt­nis hat in den folgenden Jahrhunderten nicht alle Streitigkeiten ver­hindert. Personalakten der Pfarrer und series parochorum sind in den einzelnen Pfarrarchiven immer wieder anzutreffen. Am wertvollsten dürften wohl die zahlreichen Todfallabhandlungen und Inventare sein. Ein historischer Schematismus des oberösterreichischen Klerus existiert erst ab 1785. Für die Zeit vorher wird ein solcher noch lange nicht erar­beitet werden und würde wohl auch nie ganz abgeschlossen werden können. Daß sich aus einem solchen jedoch wichtige Erkenntnisse gewin­nen ließen, ist unbestreitbar. Ein Großteil der Archivalien verdankt seine Entstehung der Tatsache, daß die älteren Pfarren, aber vielfach auch Filialen und Benefizien, kleinere Grundherrschaften waren. So sind Urbare seit dem 16. Jhdt. vorhanden. Die Briefprotokolle beginnen in Wartberg ob der Aist schon im 15. Jhdt. und gehören zu den ältesten im Lande überhaupt. Dazu kommen Gerichtsprotokolle, Waisenbücher und Prozesse mit den Unter­tanen. Ebenso sind Akten über die Ablösung der Grundherrschaft vor­handen. Über den Pfarrhof und seine Landwirtschaft wurden nicht selten eigene Rechnungen geführt. Die üblichen Steuerquellen, Theresianisches Gültbuch, Josefinisches Lagebuch und Kataster sind auch bei den Pfarren zu finden. Verwandt mit dieser Gruppe sind die Zehentsachen. Der Zehent als alte Abgabe an die Kirche wurde zwar häufig entfremdet und kam in die Hände der weltlichen Herrschaften. Viele Pfarren haben ihn aber ganz oder teilweise behaupten können. So sind in vielen Pfarrarchiven Zehent­verzeichnisse und mit dem Zehent zusammenhängende Schriften vor­handen. Für die Kunstgeschichte bieten die Pfarrarchive verhältnismäßig viel. Es sind eigentlich nur zwei Stilepochen, die Spätgotik und das Barock, die das Aussehen unserer Landkirchen geprägt haben. Zur ersten sind Aus­sagen nur aus vereinzelten Weihenotizen und Ablaßbriefen zu erwarten. Aus der zweiten aber haben sich häufig Bauakten und Baurechnungen erhalten. Wo das nicht der Fall ist, sind wichtige Angaben in den Kirchenrechnungen und ihren Beilagen enthalten. Diese Quellen sind bei weitem noch nicht erschöpfend ausgewertet. Das Einsetzen der Kirchen­rechnungen ist sehr verschieden. Ein Teil beginnt schon im Laufe des 16. Jhdt., ein anderer im 17. und 18. Jhdt. Eine Sonderstellung nimmt hier das Innviertel ein, wo die Rechnungen häufig schon aus dem 16. Jhdt. erhalten und zu Handschriften gebunden sind. Meist sind hier alle Kir­

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