Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

ZAUNER, Alois: Die Pfarrarchive Oberösterreichs

Österreich 459 Im Jahre 1961 hat dann das OÖ. Landesarchiv auch die evangelischen Pfarrarchive in dieses Programm aufgenommen und ist dabei in ähnli­cher Weise vorgegangen. Andere Bundesländer haben den Pfarrarchiven schon viel früher ihre Aufmerksamkeit gewidmet. Emil von Ottenthal und Oswald Redlich haben 1886—1912 die Tiroler Pfarrarchive aufgenommen und die Ver­zeichnisse in den Mitteilungen der dritten (Archiv-) Sektion der k. k. Zen­tralkommission zur Erforschung der Kunst- und historischen Denkmale in 4 Bänden veröffentlicht. In Salzburg wurde diese Arbeit 1916—1948 geleistet und die Ergebnisse von Franz Martin in derselben Form in zwei Bänden Salzburger Archivberichte 1944—1948 gedruckt. Vorarlberg besitzt eine mehr summarische Zusammenstellung von Meinrad Tiefenthaler im 21. Jahrgang des „Feierabend“ von 1939. Hier ist bemerkenswert, daß sich 29 Pfarrarchive in Verwahrung des Landesarchivs befinden. In Kärnten haben Norbert Lebinger und August Jaksch 1880—1903 Regesten der Urkunden in den Pfarrarchiven angelegt und in großen Zügen auch die übrigen Archivalien verzeichnet. In letzter Zeit hat Karl Dinklage die Pfarrarchive des Gerichtsbezirkes St. Leonhard i. L. ordnen und katalo­gisieren lassen. Alle diese Verzeichnisse befinden sich im Kärntner Landes­archiv. Über die Pfarrarchive der Steiermark bringt das Handbuch der österreichischen Wissenschaften von 1964 knappe Angaben. Ein maschin- schriftlicher Band von Pfarrer Dr. Rupert Pitter 1938—1942 im Steier­märkischen Landesarchiv enthält Archivinventare von 49 steirischen Pfar­ren, die auch historische Notizen enthalten. Einige Pfarrarchive, wie Pöls und Pürgg, werden im Steiermärkischen Landesarchiv verwahrt. Für Niederösterreich gibt es verschiedene Nachrichten über einzelne Pfarr­archive im 6. Band der Mitteilungen der Archivsektion der Zentralkommis­sion von 1907, in den Mitteilungen des k. k. Archivrates 1/1914 und den Archivberichten aus Niederösterreich (Veröffentlichungen des k. k. Archiv­rates 1/1916). 48 Pfarrarchive sind summarisch im Handbuch der Wissen­schaften 1964 verzeichnet, für die zum Teil ausführliche maschinschrift- liche Verzeichnisse im NÖ. Landesarchiv vorhanden sind. Weitere 12 Pfarr­archive wurden von den Archivbeamten geordnet und inventarisiert. Für den Westteil des Landes enthalten die Geschichtlichen Beilagen zum St. Pöltner Diözesanblatt seit 1878 wichtige Quellenangaben. Der Diözesan- archivar von St. Pölten, Gerhard Winner, hat bereits 30 Pfarrarchive geordnet und inventarisiert. Im Burgenland besitzt weder das Landes­archiv noch die Diözese Verzeichnisse von Pfarrarchiven. Die bisher gedruckten Inventare, vor allem von Tirol und Salzburg, gliedern sich nach Urkunden, Akten und Handschriften und innerhalb dieser Gruppen nach dem Sachinhalt. Das OÖ. Landesarchiv ist diesem Vorbild nicht gefolgt. Es hat die einzelnen Archivalien nach ihrem Stand­ort in den einzelnen Fächern und Laden aufgenommen, dabei aber von jeder Pergamenturkunde ein kurzes Regest angefertigt. Dadurch kann jedes Stück leicht aufgefunden werden. Der Nachteil ist allerdings, daß bei ungeordneten oder schlecht geordneten Archiven diese Verzeichnisse ebenfalls unübersichtlich sind. Dieser Nachteil kann jedoch leicht in Kauf genommen werden, weil die Inventare in der Regel nicht umfangreich sind.

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