Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 33 Vor zehn Tagen war das Gerücht verbreitet worden, die Seemächte woll­ten dem Herzog von Anjou das obere Navarra, Ludwig XIV. das untere über­lassen. Immerhin war dieser Plan für Erzherzog Karl nicht so ungünstig wie der einer Abtrennung von Neapel oder Sizilien, aber er öffnete ebenso dem Wolf eine Türe zum Schafstall wie eine Abtretung von mailändischem Gebiet an Savoyen. Die spanische Monarchie war schon so schwach, daß Abtrennungen davon allen Verbündeten zum Schaden ge­reichen mußten. Am 6. Juni sandte Merode-Westerloo an Kellers eine weitere Flug­schrift, die er in Holland verbreiten ließ. Am Morgen des 4. hatte Prinz Eugen durch einen Kurier von Torcy die Meldung erhalten, sein König habe die Unterschrift für die Vorbedingungen des Friedensvertrages ver­weigert22). Alle Kreaturen von Marlborough, der nunmehr tatsächlich Statthalter der katholischen Niederlande werden wollte, waren eifer­süchtig auf Prinz Eugen, aber der Engländer selbst mußte wissen, daß die Generalstaaten ihn niemals auf dieser Stelle dulden würden. Eine solche Ernennung wäre ein Unglück für die niederländischen Provinzen, in denen Cadogan durch seine Plünderungen und Erpressungen großen Schaden angerichtet hatte. Durch die Meldung vom Abbruch der Verhandlungen, die Hortiz am 4. Juni vom Prinzen Eugen erhalten hatte, war er sehr erschreckt. Aus einer Fortsetzung des Krieges befürchtete er weitere Gefahren für Erz­herzog Karl und die spanische Monarchie. Den wahren Grund des Ab­bruches der Verhandlungen kannte niemand. In chiffrierten Zeilen er­klärte Hortiz, wahrscheinlich habe Ludwig XIV. dem Herzog von Savoyen Vorteile angeboten, um ihn von den Verbündeten abtrünnig zu machen. Wie er Kellers am 9. Juni schrieb, glaubte er, selbst im Falle eines Schei- terns solcher Bemühungen würde man in Versailles annehmen, die Geg­ner könnten Ludwig XIV. niemals härtere Bedingungen auferlegen, als sie schon gestellt hatten23). Sämtliche Truppen der Brüsseler Garnison hatten die Stadt verlassen, da Vorbereitungen für einen neuen Feldzug getroffen wurden. Am 11. Juni schrieb Hortiz an Kellers, Max Emanuel würde wahr­scheinlich die Zeit vor der baldigen Übergabe von Tournai noch benutzen, um einen Einfall in Brabant zu machen. Nach Meldungen aus Frankreich würde wohl bald das ganze Volk das Beispiel der Hugenotten der Ceven­22) Die vorläufigen Friedensbedingungen in 34 Artikeln wurden veröffent­licht in der C. C. P. E., Juli 1709, S. 56 f., die endgültigen in 40 Artikeln in der vom August, S. 92—105. 23) „Deviendo esperar con mucho fundamento que este nuebo incidente pro- curará ventajas considerables a la justa causa de nuestro amo, y que Dios quiere castigar severamente las injusticias que la Francia ha hecho quitando el uso de la razón a los que la gobieman, porque no parege natural que vien- dose en el ahogo y miseria que es notoria, excuse aceptar la paz sin soberano impulso que la precipita a su total ruyna.“ Mitteilungen, Band 21 3

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