Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

30 Alphonse Sprunck Am 13. Mai schrieb Hortiz an Kellers, in Brüssel seien die Ansichten über die Friedensverhandlungen sehr verschieden. Van den Bergh hatte sich in Gesprächen mit ihm sehr klug gezeigt und erklärt, alle vernünfti­gen Holländer seien der Meinung, man müsse Frankreich auf die Gren­zen des Pyrenäen-Friedens zurückführen, und auch so bedeute diese Macht noch eine Gefahr für Europa. In diesem Lande war viel Hunger und Elend. Am 23. Mai schrieb Hortiz an Kellers, im Haag gingen die Verhandlungen nicht weiter, trotz der Ankunft Marlboroughs mit anderen Kommissären der Königin und Sinzend orfs, da die Franzo­sen wünschten, Zeit zu gewinnen. Daher waren Vorbereitungen für einen weiteren Feldzug unbedingt notwendig, um so mehr, als in Paris und an­deren großen Städten in Folge der Hungersnot Revolten ausbrachen 16). Auch in den Städten der südlichen Niederlande herrschte große Not, aber nicht so schlimm wie in Frankreich, da die Bevölkerung zu hohen Preisen Lebensmittel aus Holland erhalten konnte. Gerade bevor Hortiz diesen Brief abschloß, hatte er von Merode-Westerloo erfahren, daß Torcy und Rouillé Verzicht auf die ganze spanische Monarchie und einige Festungen an den Grenzen der südlichen Niederlande und des Reiches angeboten hatten. Da er selbst keine Beschäftigung hatte, bat er Kellers, ihm eine Stelle als Sekretär bei der kaiserlichen Friedenskommission zu verschaf­fen. In einem Brief an Kellers vom 19. Mai schlug Merode-Westerloo wie­derum dem Erzherzog vor, einen nichtoffiziellen Vertrauensmann für Besprechungen mit der Königin von England und zugleich einen bevoll­mächtigten Minister für den Friedenskongreß zu ernennen. Augenschein­lich mußten die Verhandlungen innerhalb vierzehn Tagen beendet sein, da sonst ein neuer Feldzug beginnen würde. Merode-Westerloo bedauerte sehr, daß die Holländer bei ihrer Sehnsucht nach Frieden über die Zu­stände in Frankreich so schlecht unterrichtet waren und nur das verlang­ten, was die Vertreter Ludwigs XIV. ihnen anboten. Nunmehr beharrten die Generalstaaten entschlossen auf ihrem Standpunkt, er aber mußte sich zu Tode abmühen, um ihre Vertreter zu überzeugen, sie sollten von Frankreich auch Cambrai, Arras, Aire, St. Omer, Béthune, Landrécies, Le Quesnois und Avesnes verlangen. In mehreren holländischen Provin­zen, z. B. Utrecht, war die Bevölkerung Frankreich freundlich gesinnt und wünschte den Frieden um jeden Preis. Renswoude war nach dem Haag gereist, um dort die Ernennung eines bevollmächtigten Ministers für den Friedenskongreß durchzusetzen. Immer wurde behauptet, Lud­wig XIV. würde sich durch Marschall Boufflers vertreten lassen. In einem Brief an Kellers vom 23. Mai meldete Merode-Westerloo, zur Zeit, als Marlborough in Holland ankam, habe Torcy erklärt, Lud­wig XIV. sei bereit, die Festungswerke von Dünkirchen und Straßburg 1(i) Über Hungersnot und Wucher in Frankreich: Saint Simon, 3. Band, S 85—88 und Baudrillart. S. 332 f.

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