Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

28 Alphonse Sprunck treter des Staatsrates, die von dort zurückkamen, waren zufrieden mit dem Erfolg ihrer Bemühungen um die Abschaffung der Reform des Staatsrates. Die Herzogin von Arenberg, Marlborough und Cadogan hatten gegen sie intrigiert und waren wahrscheinlich über die Holländer ärgerlich. Zwar hätte der Erzherzog von einer Abschaffung der Reform Vorteile gehabt, aber Merode-Westerloo sah Zwistigkeiten solcher Art nicht gerne. Prinz Eugen war vor dem 2. Mai in Brüssel angekommen, von wo er sich nach dem Haag begeben wollte. Hortiz meldete Kellers am 9. Mai, daß Torcy vor einigen Tagen in Holland angekommen sei, sodaß mit einem baldigen Friedensschluß gerechnet werden konnte14). Täglich er­schienen Flugschriften, von denen er eine beilegte, die allerdings nicht genau und wirksam genug war. Merode-Westerloo schrieb am 9. Mai an Kellers, er habe erfahren, daß der Herzog von Savoyen sich um Weiter­führung des Krieges bemühe, aber die, die klarer sahen, waren verwun­dert und glaubten nicht recht an seine Absichten. Nach den letzten Nach­richten, über die er verfügte, hatten die Seemächte nunmehr die Bedeu­tung von Sizilien für ihren Handel erkannt, aber sie zeigten sich ge­neigt, diese Insel Philipp von Anjou zu überlassen, falls sie in den süd­lichen Niederlanden Zugeständnisse erlangen könnten. Die Absendung des Staatssekretärs Torcy zu Verhandlungen mit einer Republik sah Merode- Westerloo als eine Demütigung für Ludwig XIV. an. Frankreich war augenblicklich in einer sehr schlechten Lage, aber Merode-Westerloo befürchtete, die Verbündeten Österreichs würden zu große Bescheidenheit zeigen. Er rechnete fest damit, daß Kellers dem Erzherzog alle seine Briefe vorgelegt hatte. Er empfahl diesem, vorläufig einen Vertrauensmann ohne offiziellen Charakter und nur mit einem Be­glaubigungsschreiben für die Generalstaaten und England nach dem Haag zu senden, bis die Vorbereitungen zu einem Kongreß getroffen wären; der Gesandte des Kaisers sollte auch als solcher des Erzherzogs anerkannt werden. Vorteilhaft wäre es gewesen, wenn ein solcher Vertrauensmann schon im Haag geweilt hätte, wo Sinzendorf eingetroffen war; Prinz Eugen und Cadogan würden gleich dorthin reisen. Bekannte von Merode- Westerloo hatten versucht, ihn zu überzeugen, Torcy habe niemanden, auch keinen Vertreter des bayrischen Kurfürsten, bei sich, aber er nahm an, wenigstens Graf Monasterol habe ihn begleitet. Am 13. Mai schrieb Merode-Westerloo an Kellers, daß Torcy seit einigen Tagen mit van der Dussen und Buys, den Kommissären der Generalstaaten, verhandelte. Er habe die Zugeständnisse von Rouillé bestätigt, aber für Philipp von Anjou das Königreich Neapel als Ersatz für Sizilien gefordert. Die Holländer hatten ihm geantwortet, er dürfe nicht einmal an einen sol­14) Die C. C. P. E. veröffentlichte in derselben Nummer, S. 47—53, den Brief eines Holländers, der für Frieden mit Frankreich eintrat.

Next

/
Oldalképek
Tartalom