Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 25 gekommen. Marlborough hatte den Generalstaaten bestimmt erklärt, er selbst würde sich gerne ihren Wünschen anpassen, doch fordere das Londoner Parlament die Übertragung der gesamten spanischen Monarchie an Erzherzog Karl. Er hatte seiner Regierung auch geschrieben, sie solle Halifax nach dem Haag senden, um die Interessen seines Landes zu wahren. Von den Gerüchten über Verhandlungen zwischen dem Haag und Versailles war jedenfalls sicher, daß die Vertreter Ludwigs XIV. bis jetzt die Gunst der Generalstaaten nicht gewonnen hatten, da sie nur stückweise Angebote machten. Marquis dei Burgo, der Vertreter des Herzogs von Savoyen im Haag, hatte diesen ein Memorandum überreicht, in dem ausgeführt war: beim Ausfall des Hauses Österreich habe dessen Dynastie Recht auf die gesamte spanische Monarchie und deshalb wolle dieser Fürst nicht, daß durch den zukünftigen Friedensvertrag ein Gebiet davon abgetrennt würde. Er stützte sich für diesen Anspruch auf Testamente und Verträge. Merode- Westerloo hätte gerne den Text dieses Memorandums erfahren, da Holländer, die Anhänger eines Friedens mit Frankreich waren, ihm erzählt hatten, in Turin habe der Herzog persönlich gesagt, er würde sämtliche Beschlüsse der Generalstaaten billigen. Der Widerspruch zwischen den beiden Behauptungen war ganz offenbar. Merode-Westerloo hatte sogar von einigen die Ansicht gehört, Marlborough sei in seinen Vorschlägen so weit gegangen, daß England auf Dünkirchen verzichten wolle, falls die Überlassung der gesamten spanischen Monarchie als Grundlage für weitere Verhandlungen angenommen würde. Merode-Westerloo nahm zwar an, ein solches Zugeständnis sei im Interesse der englischen Nation und des Parlamentes, das außerhalb der Insel auf dem Festland keinerlei Besitz haben wolle, doch glaubte er, es sei voreilig und würde erst beim weiteren Fortgang der Verhandlungen gemacht werden10). Am 25. April schrieb Merode-Westerloo an Kellers, Renswoude habe ihm versichert, die Franzosen hätten auch in der dritten Konferenz nur lächerliche Angebote und extravagante Umtauschpläne für Lille und Menin vorgelegtu), sodaß gerade die Vertreter der Generalstaaten, die früher am meisten zum Frieden bereit waren, jetzt über ihre Partner äußerst verärgert waren. Ein Kurier von Rouillé, der Worden am 22. April verlassen hatte, war am folgenden Tag durch Brüssel gekommen. Nach der Behauptung von Renswoude forderte Ludwig XIV. nunmehr Lille, Menin, Neapel und Sizilien, dazu noch Fenestrelle und Exilles vom Herzog von Savoyen. Er hatte auch erklärt, Rouillé würde fortgeschickt werden, wenn sein Kurier nicht von Versailles zurückkäme mit Vorschlägen, die den Generalstaaten genehm wären. Sicherlich würden 1(*) Dünkirchen hatte von 1658 bis 1662 zu England gehört, als es von Ludwig XIV. gekauft wurde. u) Uber die Umtauschpläne von Städten in den südlichen Niederlanden, Legrelle, S. 475.