Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 20. (1967)

BLAAS, Richard: Die Archive im Bereich des Kulturgüterschutzes

522 Literaturberichte einzigen Beitrags Englands zu den Lasten des kontintenalen Krieges, folgte schon einer Tradition, die bis zum spanischen Erbfolgekrieg zu­rückzuführen ist. Die Schwierigkeit lag aber in der Rückzahlung, die nach den ständigen Niederlagen im Kriege gegen Republik und Empire immer unmöglicher wurde. Außerdem ist die ursprünglich empfangene Summe durch den Zinsendienst im Lauf der Jahre lawinenartig angeschwollen. Sicher ist von Anfang an von beiden Seiten nicht an eine volle Rückzah­lung gedacht worden. Jahrzehntelang aber ging der Streit um die for­melle Anerkennung dieser Verpflichtungen durch Österreich. Die ur­sprüngliche Absicht war offenbar gewesen, die Rückzahlungen auf den besiegten Feind zu übertragen. Beim Wiener Kongreß konnte aber an eine weitere Belastung des ohnehin nur mühsam unter dem Schutz der Alliierten aufgerichteten Restaurationsregimes in Frankreich nicht ge­dacht werden. So haben sich die Rückzahlungsverhandlungen bis 1823 hingezogen. Schließlich erhielten die Engländer für über sechs Millionen Pfund Sterling der ursprünglichen Anleihe und den inzwischen auf siebzehn Millionen angestiegenen Zinsrückständen, zusammen also 23 Mil­lionen, nur zweieinhalb rückvergütet. Die detaillierte Geschichte der wechselseitigen, mit unterhaltsamen und lehrreichen Episoden erfüllten Verhandlungen der beiden Höfe werden von dem mit der schwierigen Materie vertrauten Vf. prägnant und in­struktiv wiedergegeben. Überraschend ist dabei das unleugbare Verhand­lungstalent des Freiherrn von Thugut, der sich als ungemein zäher, ge­schickter und offensichtlich auch unbestechlicher Partner erwies. Weniger überzeugend waren die Leistungen des österreichischen Botschafters in London, Graf Ludwig Starhemberg, der sich frühzeitig die Hände gegen­über dem die Geschäfte abwickelnden Bankhaus Boyd, Benfield & Co. gebunden hat. Beim Bankrott dieser Firma im Jahre 1800 fand sich Graf Starhemberg mit der stattlichen Summe von 19.204 Pfund Sterling im Verzeichnis der Schuldner, (S. 27, Anm. 4). Daß er dadurch in seiner Handlungsfreiheit stets beschränkt war, läßt sich denken. Zusätzlich könnte man dazu bemerken, daß dieser wahrscheinlich im damaligen diploma­tischen Gebrauch nicht seltene Fall die Zuverlässigkeit der Informationen des Grafen Karl von Zinzendorf bestätigt, der in seinen Tagebüchern als Anhänger der Friedenspartei in Wien immer wieder darüber klagt, daß der von den Geldleuten bestochene Starhemberg durch das Zustande­bringen der englischen Unterstützungen den nutzlosen und aussichtslosen Krieg weiter verlängert habe. Die englische Hilfe war aber natürlich nicht allein das Verdienst der Verhandlungen Starhembergs. Für die mehr und mehr vom Festland ab­geschnittenen und isolierten Engländer wurde eine energische Kriegs­führung durch Österreich von immer größerer Wichtigkeit. Diese Situa­tion konnte natürlich von Thugut immer wieder ausgenützt werden. Darüber hinaus haben Kompetenzstreitigkeiten und Gegensätze zwischen der Staatskanzlei und dem Direktorium in publicis et cameralibus den Gang der Verhandlungen überaus schwerfällig gemacht. Dazu trug auch die schlechte Verbindung besonders im Winter durch zugefrorene Häfen wesentlich bei. Nach der Besetzung Hollands durch die Franzosen im

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