Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

BROUCEK, Peter: Alexander Ypsilantis Gefangenschaft in Österreich

Miszellen 559 Ypsilantis, der inzwischen wieder nach Teplitz zur Kur hatte fahren dürfen, wollte in Venedig- Aufenthalt nehmen. Dagegen meldete Sedlnitzky Bedenken an, da in dieser Stadt zu viele Griechen lebten und die Nähe der See eine Flucht begünstige. Der Polizeipräsident schlug daher Padua vor. Metternich sprach sich jedoch für Verona oder Vicenza aus40). Nach der Unterfertigung der Reverse, in welchen die Ypsilantis und ihre Ge­fährten die Bedingungen der Staatskanzlei für einen Aufenthalt in Verona annahmen, reisten sie am 28. 11. 1824 von Theresienstadt ab und langten erst Anfang Jänner 1828 in Wien ein. Alexander Ypsilantis hatte nach dem Urteil der Ärzte in der Gefangenschaft ein Herzleiden erworben, sein Zustand verschlimmerte sich trotz der Pflege durch seine Gefährten und die Schwestern Thürheim und Rasumofsky von Tag zu Tag41). Am 31. 1. 1828 starb Alexander Ypsilantis im Gasthof „Zur goldenen Birne“, Landstraßer Hauptstraße 31. Er wurde zunächst im östlichen Teil des St. Marxer Friedhofes und am 1. 8. 1828 endgültig im griechischen Teil des Friedhofes beigesetzt. Am 18. 2. 1903 wurde sein Leichnam exhumiert und in die Familiengruft der Ypsilantis nach Rappoltenkirchen über­führt 4'2). Ähnlich wie seine zu größerer Publizität gelangten Zeitgenossen Federico Confalonieri und Silvio Pellico hatte Alexander Ypsilantis Jahre seines Lebens in österreichischer Gefangenschaft verbracht. Sein Schick­sal unterscheidet sich von dem der Obgenannten jedoch dadurch, daß er nicht als Staatsverbrecher, sondern als Staatsgefangener festgehalten wurde, wie Metternich dies ausdrückte. Er mußte nicht für Agitationen büßen, die unmittelbar den eigenen Staat gefährdeten, sondern wurde das Opfer außenpolitischer Maximen Metternichs, der in ihm sowohl ein Werkzeug Rußlands zur Erlangung der Vorherrschaft auf dem Balkan als auch ein Element der über ganz Europa ausgedehnten Verschwörung gegen die Ruhe und Ordnung in den bestehenden Staaten sah und ihn unschädlich machen wollte. Erst als Ypsilantis infolge der neuen Ver­hältnisse und der stark geschwächten Gesundheit des Griechen seine Be­deutung für Metternich verloren hatte, stand seiner Freilassung nichts mehr im Wege. Für seine Genesung kam diese jedoch zu spät. 4«) HHStA, Polizeikorrespondenz Fasz. 48, Noten Sedlnitzkys an Metter­nich v. 3. 10. 1827 und 9. 11. 1827. 41) Thürheim, a. a. O., 3. Bd., S. 280—S. 287. 43) Artikel über Nachforschungen von Polychronis Enepekides im „Neuen Österreich“ vom 17. 6. 1954, S. 3; 1. 8, 1954, S. 7; 31. 10. 1954, S. 6. Freund­licher Hinweis von Herrn Walter Piilliioh.

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