Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAINER, Emil: Der Abenteurer Sardan

534 Miszellen einhalte, könnte das kleine Schiff noch immer von Genua absegeln, aber sein Glaube an Sardan sei bereits sehr gering31). Zweieinhalb Monate später hatte Sardan, wie er in einer seiner réflexions an den Wiener Hof behauptete, das Unternehmen weiter vorgetrieben, aber als 400 Dragoner von der andern Seite erschienen, deren Kommandant von einem der Leute Sardans im Zweikampf getötet wurde, befahl Don Juan dem Sardan, der gerade die letzten Vorbereitungen zum Erfolge machte, das Grenzgebiet zu verlassen und sich nach Italien zu begeben, weil durch seine Umtriebe ein gegnerischer Angriff provoziert werden könnte, der für Spanien unheilvoll werden würde, und weil man glaubte, daß die Heere des Kaisers und des Kurfürsten von Brandenburg in wenigen Tagen in Burgund sein würden, von wo aus die Aufständischen leichter unterstützt werden könnten30). Tatsächlich hatte Don Juan am 16. Jänner 1675 an Sardan geschrieben, daß die Angelegenheit Lavedan aussichtslos wäre16). Er gab Sardan einen Brief an den Herzog von Bournonville, dem Kommandaten der Kaiserlichen, mit. Auch verlängerte er den Vertrag mit Sardan am 14. Feber 1675 bis Ende September und neuerlich am 19. Feber bis 31. Dezember 167 5 35). Zugleich wurden die Vertragsbestimmungen auf die Bretagne und alle anderen Länder ausge­dehnt, die sich der Konföderation anschließen werden. Auch genehmigte die Königin die Zahlung von 90.000 Dublonen. Sardan reiste am 1. Mai von Spanien ab. Von Barcelona brachte ihn ein englisches Schiff unter großen Gefahren nach Genua, wo er einige Tage später landete36). In­zwischen wurde Riomal noch ungeduldiger, weil er von Sardan nichts wußte und auch keinen seiner Leute gesehen hatte37). Am 13. Feber hatte Riomal aus Mailand an Wilhelm III. geschrieben, er erwarte nichts Gutes von Sardan, weil dieser so lange Zeit nicht schreibe und weil auch der Vertrag mit Holland abgelaufen wäre. Er fragte, ob er sich nicht zurück­ziehen sollte38). Aber bald darauf kamen Konfidenten der Verbündeten zu ihm, die ihm gute Hoffnung machten. Er blieb weiter in Mailand, weil er sich dort sicherer fühlte als in Genua. Am 18. März überraschte Sardan endlich Riomal mit seinem Erscheinen und unterhielt ihn zwei Tage lang über die grandes affaires, die er vollbracht hätte. Auf Riomals Frage gab er an, daß er mit seinen Genossen noch nicht habe sprechen können; zehn Freunde hätten von Toulouse zur Grenze gehen wollen, aber ihr Führer sei verhaftet worden und er habe weiters keine Nach­richt von ihnen. Er selbst könne wegen des Steckbriefs nicht nach Frankreich kommen, aber er wolle sich zur Grenze begeben und werde dann seinen Schlag in Languedoc und Vivarais führen. Riomal war von neuem enttäuscht. Man halte Sardan in Spanien für einen großen Heiligen, doch Riomal zweifle überhaupt am Bestände der Konföderation. Er wolle noch bis Mitte Mai warten und wenn er sehen würde, daß nichts zu hoffen wäre, würde er nach Holland zurückkehren, falls er nicht vom Prinzen 35) Siehe Anmerkung 1, Beilagen G und H. 36) Krämer a. a. O., deel VII 1893, Seite 72, Archivo general Simancas, Sección Estado, Legajos 3861. 37) Archivo general Simanacas, Sección Estado, Legajos K 1663 D 23, No. 118. 38) Japikse a. a. O., Band 27, 2. Teil, S. 6.

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