Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

MIYAKE, Masaki: J. M. Baernreither und „Mitteleuropa“. Eine Studie über den Nachlaß Baernreither

J. M. Baernreither und „Mitteleuropa“ 369 von Seidler32), Heinrich Friedjung33), Erwein Graf Nostitz34) und Rudolf Kobatsch3S). Abwesend waren außer Baernreither noch Karl Urban36), Michael Hainisch 37 38) und Max Friedmann33) 39 40). Das Exposé Baernreithers gliedert sich in fünf Kapitel: 1. Allgemeine Gesichtspunkte. 2. Ein gemeinsames Zollgebiet und Zwischenzölle. 3. Getrennte Zollgebiete und Anpassungszölle. 4. Resumé. 5. Österreich und Ungarn. Einleitend betont er ganz allgemein die Notwendigkeit einer wirtschaft­lichen Annäherung zwischen Deutschland und Österreich-Ungarn. Denn nach dem Ende des Krieges würden beide Staaten isoliert den drei Weltmächten England mit seinem Kolonialreich, Rußland und den Vereinigten Staaten gegenüber stehen 49). Weiters führt er aus: „Das System der Selbstversor­gung, welches nach dem Kriege zu einem wirtschaftlichen Axiom erhoben werden wird, können wir am sichersten durch den gegenseitigen Anschluß erreichen. Schon geographisch sind wir auf dem Balkan und im Orient zu gemeinsamen Vorgehen angewiesen. Aus Gründen unserer Sicherheit und unserer Unabhängigkeit müssen wir daher unser politisches und militäri­sches Bündnis durch ein wirtschaftliches ergänzen und befestigen“ 41 42). Da aber weder das Deutsche Reich noch Österreich-Ungarn ihre Souveräni­tät aufgeben könnten, so könne ihre wirtschaftliche Zusammenarbeit nur auf einem zeitlich begrenzten, bilateralen Vertrag beruhen4'2). In der Folge behandelt er nun in den Kapiteln 2 und 3 die für ihn allein möglichen zwei Formen der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Im Kapitel 2 erörtert er die Möglichkeit eines einheitlichen, Österreich- Ungarn und das Deutsche Reich umfassenden Zollgebiets mit gemeinsamen Außenzöllen. Die Zwischenzölle innerhalb dieses Zollgebiets sollen nur zum Schutze der schwächeren und der für die Konkurrenz empfindlicheren 32) Ernst von Seidler (1862—1931): 1909 Sektionschef im österr. Ackerbau­ministerium, 1917—1918 Österr. Ministerpräsident. 33) Heinrich Friedjung (1851—1920): Österreichischer Historiker. 34) Erwein Graf Nostitz-Rieneck (1863—1931): seit 1891 Mitglied des österr. Herrenhauses, 1902—1913 Mitglied des böhmischen Landtags. 8ä) Rudolf Kobatsch: Generalsekretär des niederösterreichischen Gewerbe­vereins. 36) Dr. Karl Urban: 1901—1918 Mitglied des österr. Abgeordnetenhauses, 1916—1917 Handelsminister. 37) Michael Hainisch (1858—1940): Großgrundbesitzer, 1920—1928 Österr. Bundespräsident. 38) Max Friedmann: Großindustrieller, 1911—1918 Mitglied des österr. Ab­geordnetenhauses. 39) Randbemerkung des Exposés, S. 1. 40) Exposé, S. 4. 41) Ebenda. 42) A. a. O., S. 5. Mitteilungen, Band 17/18 24

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