Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

CSÁKY, Móric: Österreich und der Modernismus. Nach den Berichten des österreichischen Botschafters am Vatikan 1910/11

326 Móric Csáky Bestimmungen gegen den Modernismus, brachte dann den Text des Antimodernisteneides, dem sich ein Kapitel über die Verwaltung des Predigtamtes anschloß. Für uns sind in erster Linie die Bestimmungen gegen den Modernismus und der Antimodernisteneid von Interesse, da sich die Berichte des österreichischen Botschafters am Vatikan auf diese konzentrieren. Der Inhalt der Bestimmungen ist folgender: Nach einer kurzen Empfehlung der scholastischen Philosophie für die Priesteraus- bildung, auf der das theologische Lehrgebäude aufgebaut werden müsse, wird auf die positive Bedeutung der Durchdringung der positiven Theologie mit den Ergebnissen der geschichtlichen Wissenschaften hin­gewiesen: „id tarnen sic fiat, ut nihil scholastica detrimenti capiat, iique reprehendantur utpote qui modernistarum rem gerunt, quicumque po­sitivam sic extollunt ut scholasticam theologiam despicere videantur“ 13). Wo dies der Theologie nicht zum Nachteil gereicht, möge auch das Studium der Naturwissenschaften betrieben werden. Außerordentlich wichtig sei die rechte Auswahl von Professoren und Seminarleitern. Modernisten seien „nullo habito rei cuiusvis respectu“ zu entfernen14 15), ebenso des Modernismus Verdächtige oder solche, die den Modernismus zu entschuldigen suchen. Denn „ad doctorum enim exemplum plerumque componuntur discipuli“ ls). Gleiche Wachsamkeit möge man bei der Auswahl von Priesterkandidaten walten lassen: „Procul, procul esto a sacro ordine novitatum amor: superbos et contumaces animos odit Deus“ 16). Weiterhin werden die Bischöfe angehalten, das Lesen moder­nistischer Schriften zu verhindern. Dafür sollten sie eine strenge Bücherzensur führen und auch über die Buchhändler wachen. „Idem libri omnes, ephemerides, commentaria quaevis huius generis neve adulescentibus in seminariis neve lauditoribus in universitatibus per­mittantur“ 17). Den zu beurteilenden Schriftstellern selbst sollte der Name des Zensors nicht bekannt gegeben werden! 18) Selbst katholische Zeitungen und Zeitschriften sollten von einem eigens dafür bestimmten Zensor „integre attenteque“ verfolgt werden19). Da die Modernisten ihre Ansichten vor allem auf öffentlichen Versammlungen und Kongressen verteidigen, wird bestimmt, daß „Sacerdotum conventus Episcopi in posterum haberi ne siverint, nisi rarissime“ 20). Nach dem Beispiel einer umbrischen Bischofskonferenz von 1849 (!) möge in jeder Diözese 13) „Sacrorum antistitum“, ed. Herder (Freiburg/Br. 1910) S. 6. 14) a. a. o. S. 8. 15) a. a. o. S. 8. le) a. a. o. S. 10. 17) a. a. o. S. 10. ls) a. a. o. S. 14. 19) a. a. o. S. 18. 2«) Vgl. auch A.Dru, Lord Acton, Döllinger und der Münchener Kongreß in: Hochland 56 (1963) 49—58, wo S. 50 auf das röm. Versammlungsverbot verwiesen wird.

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