Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
190 Manfried Rauchensteiner Stimmung war die Armee, welche nichts anderes benötigt hätte, als daß man selbe nur angewandt, dem Feind zu folgen, um ihn gänzlich zu vernichten. Ich machte den Vorschlag, so wie schon in der Angriffs-Disposition vom 21. Mai am Ende gesagt worden, nur 50 Piecen Geschütz an die Lobau zu führen und selbe zu beschießen, der Feind würde bitten müssen, solchen gefangen zu nehmen, allein man gab mir zur Antwort: Es fehlt an Munition“. Um 6>/2 Uhr nachmittags (den 23.) erhielt ich einen Befehl, welchen ich jedoch schon erfüllt hatte, nachdem meine Vorposten schon an der Lobau standen und nur die Unternehmung des FML Fürst Rosenberg abwartete. —- Der Schluß in diesem Befehl, daß man sich auf meine Tätigkeit und Klugheit ganz verlasse und solche auch S. Majestät bereits angerühmt, ist wohl für mich schmeichelhaft, allein im Vergleich der Vorzüge, welche andere, die bei weitem dasjenige nicht geleistet, was ich getan, sehr unbedeutend. Um aber jedem Auftrag zuvorzukommen und alles für das Beste des Dienstes vollkommen zu erfüllen, hatte ich mir von Kavallerie und Infanterie ein Detachement zusammengesetzt und rückte mit selbem in der Nacht vom 23. auf den 24. bis an meinen und des FML (Rosenberg) äußersten Platz, um die anbefohlen wordene Unternehmung des FML Fürst Rosenberg und FML Klenau zu unterstützen. Allein weder bei einem noch bei dem anderen wurde etwas unternommen. Bei meiner Zurückkunft in der Früh des 24. Mai erstattete ich dem E. H. Generaliss. Bericht. Ich fand mich bemüßigt, wegen einiger verdienstvoller Individuen den E. H. Generaliss. um Belohnung zu bitten. Ich war kaum von meiner nächtlichen Unternehmung zurückgekommen und hatte vorher fast alle Vorposten selbst abgeritten, als ich einen Befehl von S. K. H. dem E. H. Generaliss. erhielt (in dem derselbe seinem Befremden Ausdruck verleiht, daß eine frz. Kavallerie Patrouille in der Nacht bis Aspern gekommen sein soll). Ich fand mich bemüßigt, eine Antwort darauf zu geben und die Bitte zu machen, mir den Berichterstatter zu senden, um selben von der Unrichtigkeit seines gemachten Rapports zu überzeugen. Allein ich wurde versichert, daß man diesen meinen Bericht gleich mehreren anderen S. K. H. dem E. H. Generaliss. gar nicht vorgelegt, sondern glatterdings unterschlagen, und nun lasse ich jedweden urteilen, in was für Händen sich der E. H. Generaliss. K. H. befand. Den 24. erschien der beigelegte Armeebefehl x). Es sei mir erlaubt, die einzige gerechte und billige Bemerkung zu machen, welche mir tiefe Kränkung verursachte, nachdem ich den Abputz U In diesem Flugblatt wurde der Armee der Dank des Kaisers und des Erzhzg. Carl zum Ausdruck gebracht und Beförderungen und Auszeichnungen beigefügt, sowie die hervorragendsten Generäle namentlich genannt. Ausgezeichnet oder befördert wurden u. a. Wimpffen, Smola, Vaquant und Stutterheim.