Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
188 Manfried Rauchensteiner Ihnen, lieber Hiller, und bin wirklich mit Ihrem heutigen und gestrigen braven Betragen nicht allein vollkommen zufrieden, sondern werde Sie auch anzurühmen wissen“. Ich verließ den E. H. Generaliss. K. H. und eilte gegen die Lob au, nahm alle Truppen, welche ich fand und führte selbe vor, den Feind zu verfolgen und war im Begriff, noch mehrere Bataillone dahin zu beordern. Kaum war ich wieder nach Aspern gekommen und hatte wollen die Anstalten treffen, mit Geschütz vorzurücken, als mir die Meldung gemacht wurde, daß der General Stutterheim vom GenQuartiermeister Stab zwei von den zum Yorrücken befehligten Bataillonen, welche schon an der Au waren, den Befehl gegeben, umzukehren und kein neues Gefecht anzufangen. Aufgebracht über dergleichen zweckwidrige Anordnungen eines Minderen, begab ich mich zu meinen Truppen nach Aspern und wollte mich nicht mehr kompromittieren lassen. Mich kränkte diese Handlung umso mehr, als während der zweitägigen Schlacht ich von gemeldetem General nicht die mindeste Anordnung gesehen hatte. In diesem Augenblick kam General Wimpffen und wollte allerlei Anordnungen treffen, welche teils jedoch eben geschehen sollten und welche bloß auf die Verteidigung genommen. Noch erzürnt über das Betragen des General Stutterheim, sagte ich dem General Wimpffen diese Worte:“ Während der zweitägigen Schlacht war keiner gekommen, um mir zu sagen, was ich zu tun hätte und da ich mich schmeichle, von keinem dieser Herrn etwas lernen zu können, viel weniger angegen gesonnen, mich von Minderen über meine Befehle komprimittieren zu lassen oder einen Schulknaben zu machen“, so stünde es nur bei Ihnen, das zu tun, was er glaube, der Sache angemessen zu sein, ich würde mit Vergnügen Zusehen, wenn es gut ginge. Diese offenherzige Sprache eines aufgebrachten, redlichen Mannes verursachte mir in der Folge viel Verdruß. S. K. H. der E. H. Generaliss. machten mir auf meine Vorstellung den Unterleutnant Lenk von der Artillerie zum Oberleutnant, zwei Mann bekamen die goldene und vier die silberne Medaille; meinen Stabsarzt, Dr. Sax, welcher das Schlachtfeld die ganze Zeit nicht verlassen hatte und die Verwundeten, damit nicht soviel« Leute aus dem Feuer zu gehen nötig hatten, auf Ort und Stelle verband und bei dieser Gelegenheit verwundet worden, ernannten S. K. H. der E. H. Generaliss. zum kaiserl. Rat und verliehen selbem die goldene Zivil-Ehrenmedaille. So endigte nun diese merkwürdig bleibende Schlacht durch eine standhafte Beharrlichkeit zu unserem Vorteil, bei deren Verlust die Monarchie würde aufgelöst worden sein und welcher S. Majestät von der Stam- mersdorfer Anhöhe während dieser zwei Tage zugesehen und gewißlich werden überzeugt haben, daß ich der Einzige war, welcher fast zweimal von der ganzen Armee verlassen seinen Platz behauptete und der Armee immer Gelegenheit verschaffte, den Kampf mit Vorteil anzufangen. Nun