Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

186 Manfried Rauchensteiner vor der sicheren Auflösung zu retten, als noch mit allen meinen Truppen das Dorf zu nehmen oder mit selben auf dem Platz zu bleiben. Nur durch Hilfe meines Artilleriefeuers verschaffte (ich) mir so viel Zeit, diese Garden in so lange von dem weiteren Vordringen zurück­zuhalten, bis ich die Truppen zum Angriff formiert hatte. Mit Haubitzen ließ ich dann während der Kanonade und dieser Vorbereitung noch vollends Aspern und die umliegenden Scheunen anzünden und in diesem Feuer wurde der allgemeine Angriff auf Aspern zum 6. Mal mit aller Wut angefangen. In einer Stunde war ich wieder, und zwar das 6. Mal, Meister von Aspern. — Von der Armee sah ich auch wieder, daß sich einige Kolonnen näher­ten, doch dauerte es nicht lange, so waren selbe wieder weiter; ich be­hauptete inzwischen Aspern, obwohl der Feind schon weit vorgerückt war, ja wenn ich mehr Truppen gehabt hätte, würde ich wohl ganz gewiß bis an die Lobau vorgedrungen sein; so mußte ich mich aber begnügen, Aspern das 6. Mal genommen und mich darinnen behaupten zu können. — Um 23/4 Uhr nachmittag, den 22. Mai, nachdem ich, wie schon erwähnt, mit Aspern fertig war, fand ich mich nun auf einmal ganz allein, ohne von der Armee etwas anderes als einige Truppen in der Weite zu sehen und zu hören, daß der Befehl zum Rückzug wäre gegeben worden. Der Feind hatte zwar Aspern nicht, allein derselbe war Meister von dem ganzen Graben, welcher von Aspern nach Eßling sich zieht und von der ganzen Plaine gegen Breitenlee. In dieser kritischen Lage kamen meine Generale zu mir, um mich zu fragen, welche Maßregeln ich bei so widrigen Um­ständen zu nehmen gedächte. Meine Antwort war, stehen zu bleiben und so lange zu raufen, als einer von uns am Leben, denn wenn ich diesen Platz verließe, wäre alles ohne Rettung verloren. Gegen 5 Uhr nachmittag, in dieser zweifelhaften Lage entdeckte ich auf einmal, daß sich unsere Armee nähere und der Feind sich anfing zurückzuziehen. Ich flößte meinen Truppen neuen Mut ein und ließ 2 Bataillone von Duca längs Aspern gegen den Graben mit 2 Kanonen vorrücken, welche es auch dahin brachten, daß der Feind mir den Anfang des Grabens überlassen und sieh zurückziehen mußte. Durch diese Bewegung hatte ich es dahin gebracht, daß der Feind von seiner Armee keine Truppen, ohne selbe einem Kartätischen Feuer auszusetzen, nach Aspern zu bringen im Stande war. Bis 6V2 Uhr war nun der Feind so weit zurück und auch die Division des FML Vogelsang zwischen Aspern und Eßling auf mehr denn eine Kanonenschuß Weite aufmarschiert. Der sich zurückziehende Feind besetzte nun den Graben und verhinderte durch sein Feuer das Vordringen unserer Truppen und verschaffte sich Zeit, seine Truppen wieder zu formieren, ja er machte wieder alle möglichen Anstalten, um mir Aspern wieder zu nehmen. Mein Glück war, daß ich gleich, als ich zur Schlacht vorrückte, meine ganze Reserve-Munition mit vorrücken machte und daß ich solche bei der Hand hatte, um an Muni­

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