Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
184 Manfried Rauchensteiner und ich demselben zeigte, daß der Feind nunmehr mit seiner Macht auf unser Zentrum vordringe, ohne daß noch von dem ganzen Reservekorps etwas wäre zu entdecken gewesen. Ich bemerkte (zu) selbem, daß es wohl höchste Zeit wäre, die Reserve und die anderen Korps vorrücken zu machen, weil wenn es dem Feind gelinge, die aufgestellten Truppen zu werfen, ehe die Reserve angelangt, die Schlacht verloren sein würde und ich dann nicht mehr im Stande, Aspern wider einen ungleich stärkeren Feind behaupten zu können. Er ritt mit den Worten von mir fort: „Halten Sie mir nur Aspern, mein lieber Hiller; ich werde sogleich die Reserve vorrücken machen“. Das Gefecht engagierte sich indessen im Zentrum; unsere Truppen wurden gezwungen zu weichen. — Ich aber verlor wieder das Dorf Aspern, welches der Feind mit frischen Truppen wieder angegriffen hatte; die Auen angegen, von denen blieb ich Meister. Unterdessen wurde die Sache im Zentrum wieder hergestellt und ich mußte wieder den Ort Aspern dem Feinde abnehmen. Während dieses 3. Angriffs traf auch neben meiner die 2. Kolonne des FM Bellegarde ein, und nachdem ich das Dorf genommen hatte, besetzte solches, da meine Truppen schon zu schwach und zu matt waren, der General Vaquant mit seiner Brigade, daß solches nur allzu voll gewesen. — Bei der zweiten Wegnahme wurde des Kaisers Napoleon Oberst Stallmeister, Divis.- General Durosnele samt den Pferden gefangen und von diesem wurde dann die Nachricht bestätigt, daß der Kaiser Napoleon bei meinem Angriff auf dem Kirchturm in Aspern gewesen war. Der Feind, als der Tag endete, war immer noch im Besitz von Eßling und seine Truppen standen vor diesem Ort; nur waren ihm Aspern und alle Auen auf seinem linken Flügel genommen und in unserem Besitz. Ich hatte von meinem Korps sehr viele Leute verloren und also war ich ziemlich schwach. Die ganze Armee blieb auf dem Schlachtfeld und ich stellte nebst dem Besitz von Aspern und den Auen den übrigen Teil der Truppen wieder neuerdings hinter meiner Artillerie auf. Damit jedoch der Vorgang dieser ewig merkwürdigen Schlacht deutlicher zu ersehen, welche Bewegungen ich eigentlich mit meinen Truppen gemacht, habe ich den ganzen gezeichneten Plan von der Gegend und wie ich meine Truppen verwendet, eingetragen 3). In der Nacht vom 21. auf den 22. Mai ist außer kleinen Plänkeleien nichts Wichtiges vorgefallen, sondern alles schien sich auf den künftigen Tag zu einem noch härteren Kampf vorzubereiten, als der vorhergehende war. Den 21., um 12 Uhr nachts erhielt ich (neue) Befehle (vom E. H. Generaliss.) — Den 22. Mai, um 3 Uhr früh, fing das Gefecht wieder mit aller Lebhaftigkeit an. Der mit seiner ganzen Brigade die ganze Nacht in Aspern gestandene General Vaquant schickte einen Rapport um den anderen, daß er aus Mangel an Munition und Abmattung seiner Mannschaft und 1) Dieser Plan fehlt im Anhang.