Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)

RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)

178 Manfried Rauchensteiner Garnison bei Stammersdorf aufzustellen. Ich fertigte mit dieser unange­nehmen Nachricht den Korps Adjutanten Major Legedits an S. Majestät bloß mit der vorläufigen mündlichen Meldung ab. Lange konnte sich S. Majestät von diesem Ereignis nicht überzeugen, bis Legedits nicht die allergenauesten, ihm wissentliche Details gemeldet. Jedweder wird sich wohl die Lage vorstellen können, in der ich mich befand: eine Menge ver­schiedener, ungeübter Truppen in einem Augenblick auf einen Haufen zusammengeschoben, ohne für selben die nötige Subsistenz zu haben und dann noch ferners ausgesetzt zu sein, mit dem über die Donau setzenden Feind raufen zu müssen. Ich nahm meine Hauptstellung vom Fuß des Bisambergs bis über Stadl Enzersdorf mit den Vorposten und Detachements; das Gros angegen stellte ich auf die Stammersdorfer- und daran grenzende andere Anhöhe. Den 12. Mai abends, nachdem ich endlich mit vieler Mühe die Truppen aufgestellt hatte, erstattete ich dem E. H. Generaliss. K. H. Bericht, muß jedoch gleich bemerken, daß, nachdem ich endlich von der Ursache, warum der E. H. Maximilian Wien verlassen, unterrichtet gewesen, daß nämlich nur der Übergang des Feindes bei den Weißgerbern auf das Lusthaus im Prater die Ursache war und wo man einigen Individuen eine unverzeihliche Nachlässigkeit zur Last legen wollte und da Wien noch immer im Kapitu­lieren begriffen sei, ging ich von dem angezeigten Rückzug nach Wölkers­dorf ab und blieb mit meinen Truppen in der Aufstellung, welche ich den ersten Augenblick genommen hatte. Den 13. Mai erhielt ich vom E. H. Generaliss. K. H. ein Schreiben, in welchem mir derselbe über das Veranlaßte seine vollkommene Zufrieden­heit zu erkennen gibt und nur wegen zu früher Abbrennung der Brücke bei Mautern sich beklagt, deren Ursache ich angegen schon vorhin ange­zeigt hatte, wonach solches aus einem Irrtum nach meinem Abmarsch ohne meinen Willen und Wissen geschehen sei. Es wäre freilich zu wünschen gewesen, daß die Armee sich in großen Eilmärschen Wien genähert hätte, weil immer so viele Tage verlorengingen, doch muß ich schweigen, weil mir die Ursachen viel zu wenig bekannt waren, welche einen schnelleren Marsch zu verhindern im Stande gewesen. — Was angegen die Verschan­zungen an der Spitz und an der Donau betrifft: dieses wurde von mir nebst noch anderen Verschanzungen noch vor Einlangung dieses vorer­wähnten Befehls veranstaltet. Dem E. H. Palatinus K. H. machte ich, vermög von S. Majestät durch den zurückkommenden Korps Adjutanten Major Legedits erhaltenen mündlichen Befehl, Bericht. Am 13. Mai erhielt ich die bestimmte Nachricht, der Feind sei auf der Schwarzen Lacken Au und schiffe noch immer von Nußdorf herüber. Nachdem ich vorsah, daß an dem Besitz dieser Insel alles gelegen und der Feind durch deren Besitz (von) derselben aus die ganze Chaussee, folg­lich die Kommunikation auf dieser Straße mit Korneuburg nehmen könnte,

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