Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 17/18. (1964/65)
RAUCHENSTEINER, Manfried: Das sechste österreichische Armeekorps im Krieg 1809. Nach den Aufzeichnungen des FZM Johann Freiherr von Hiller (1748–1819)
158 Manfried Rauchensteiner Generaliss. K. H. den Befehl, daß, weil höchstdieselben den Entschluß gefaßt, zwischen Ingolstadt und Kehlheim über die Donau zu gehen, ich mit einem Armeekorps auf dem rechten Ufer dieses Flusses zurückzubleiben hätte, um diese Bewegung zu decken, und auch um denjenigen Teil der französischen Armee, welcher sich am Lech befindet, zu beobachten. Ich hätte mich dieserwegen langsam über Au nach Pfaffenhofen zu ziehen, dorten den Feind zu delogieren, mich festzusetzen und nach Maß, als ich gegen den Lech vorrückte, näherte ich mich dem FML Jellachich, welcher wieder ganz an mich angewiesen sei. — Da aber der Hauptschlag durch die große Armee geschehen müsse, wurde mir noch weiters vorgeschrieben, wie ich eigentlich mich nur defensiv zu verhalten hätte und mich der Gefahr nicht aussetzen sollte, gänzlich geschlagen zu werden. Es war doch nichts natürlicher, da ich bei der Operation die linke Flanke der Armee zu decken hatte und von Moosburg vorrücken mußte, daß ich auch dort selbst eine Abteilung aufzustellen gezwungen gewesen, welche wieder meine Flanke bei meiner Operation decken sollte. Nun war FML Jellachich vermög seiner Aufstellung bei München nicht allein von mir zu weit getrennt, sondern zu schwach und zu zwecklos, um dort zu bleiben. Folglich, da selber schon wieder an mich angewiesen gewesen, so schickte ich selbem den Befehl zu, seinen Marsch sogleich nach Zolling über Freising einzuleiten und ich hatte beschlossen, nachdem Marschall Massena mit seinen Truppen, nach erhaltener Verstärkung in Augsburg, bereits gegen Au vorgerückt war, den FML Jellachich zur Sicherung meines Rückens und meiner Flanke in Moosburg aufzustellen. -— Meinem Bericht an S. K. H. den E. H. Generaliss. ist zu entnehmen, daß der Feind bereits die Kommunikation zwischen mir und dem FML Jellachich unterbrochen hatte. Ich war demnach entschlossen, da ich ohnehin nur langsam vorzurücken hatte, den FML Jellachich in Moosburg zu erwarten, damit es dem Feind nicht gelinge, sich von dieser Passage über die Isar zum Meister zu machen und der Armee im Rücken nachteilige Operationen zu unternehmen. Doch wider Vermuten, und obwohl es dem FML Jellachich geglückt hätte, mit seiner Avantgarde bereits Freising erreicht zu haben, so erhielt ich von dem E. H. Generaliss. K. H. den Befehl, den FML Jellachich zur Deckung von Landshut und damit nicht die ganze obere Gegend offen bleibe, bei München hinter der Isar stehen zu lassen. S. K. H. der E. H. Generaliss. aber würde mit der Armee den 19. eine solche Bewegung machen, um den mit 30.000 Mann im Veitinger Wald stehenden Marschall Davoust alldorten anzugreifen; ich aber hätte meine Bewegung und Aufstellung nach der bereits erhaltenen Instruktion zu richten und die Dek- kung der Kommunikation nach Landshut zu besorgen. — Ich überlasse das Urteil jedwedem Kenner, auf welche Art die Kommunikation oder Deckung der Kommunikation von Landshut besser gesichert worden: wenn FML Jellachich bei München hinter der Isar stehen bliebe, wo der Feind bereits gegen Au vorgerückt war, oder ob es zweckmäßiger gewesen wäre, nach