Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 16. (1963)

PILLICH, Walter: Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Kunstregesten a. d. Hofparteienprotokollen d. Oberhofmeisteramtes 1636-1780 475 326 1721t Mai 2, Wien. Fabricius Cerrini, kaiserl. Galerieinspektor, früher „Musicus Tenorista“, hat sich bereits am 14. April 1723 wegen zu geringer Besoldung beschwert und bittet in Anbetracht seiner 63jährigen Dienste um Nachzahlung von 5760 Gulden, damit er seine Schulden zahlen und ruhig sterben könne. Das Obersthofmeisteramt meint, daß sich C. irre, da er seit 1. Jänner 1687 erstmals mit monatlich 60 Taler Besoldung als Tenorist aufgenommen wurde und schlägt vor, dem C. 5.000 Gulden vom 1. April dieses Jahres in fünf Jahresraten zu je 1.000 Gulden aus Gnade als Abfertigung für seine musikalischen Dienste zu bezahlen, da dies die anderen „Musicis Jubilatis“ auch erhielten. Weiters seien die Kinder C. teils im Felde und teils bei Hof: die Tochter Elisabeth war in Spanien als Kammerdienerin und sei jetzt Kammerfrau der Kaiserin und mit Brunetti, Kammerzahlmeister der Kaiserin, verheiratet. Die ledige Tochter Theresia ist wirkliche Kammer­dienerin der Kaiserin und die Tochter Maria Eleonora, verehelicht mit Johann Franz Würtz, kaiserl. Schloßhauptmann in Schönbrunn, war Kam­merdienerin bei der verwitweten Kaiserin Amalie, und der Sohn Ferdi­nand C. ist Kammerdiener bei der jungen Herrschaft gewesen. Res.: Placet. f. 261 v — 263 r. 327 1721t Juni 10, Wien. Bescheid an Peter Tratter, Supernumerari-Tapezierergehilfe, daß sein Gesuch um Kostgeld vom Kaiser abgewiesen wurde, weil noch 5 Tapezierer gegen früher nur 3 in der Besoldung stünden. Er müsse daher noch auf eine freie Stelle warten, wie es in seinem Aufnahmedekret stünde, f. 297 r. 328 1 721t Juni 10, Wien. Caspar Neracher, kaiserl. Tapezierergehilfe, erhält vom Kaiser auf sein Gesuch (nro. 324) für die 6% Monate im Jahre 1722 geleisteten Dienste eine Beihilfe von 20 Gulden, worüber der Hofkontrollor die Anweisung auszufertigen hat. f. 297 v. 329 1721t Juni 10, Bescheid an Fabricius Cerrini, kaiserl. Galerie-Inspektor, als ehemaliger Tenorist, daß er in Ansehung der durch 37 Jahre lang geleisteten Hof- dienste 5.000 Gulden und zwar ab 1. April 1724 in 5 Jahresraten zu je 1.000 Gulden aus besonderer Gnade als Abfertigung erhält, worüber der Hofkontrollor die Anweisung auszufertigen hat. f. 298 r v. 330 1721t Juli 6, Wien. Alexander Phillebois, wirkl. Hoftänzer, bittet, seinem Sohn, Carl Phillebois, wirkl. Hoftänzer, den Titel eines Sotto-Hof-Dissegnatore zu verleihen, weil er dem Hof Dissegnatore Bertoli mit den Entwürfen zu Opern und Plänen zu anderen Vorfallenheiten unter dessen Direktion an die Hand gehen und sein Nachfolger werden könne. Carl Ph. hat sich von Jugend auf in der Zeichenkunst geübt und seit einigen Jahren unter der Leitung von Bertoli die „Abriß“ der Operntänzer entworfen, wovon einige vor der vorjährigen Reise des Kaisers nach Prag diesem durch den Cavagliere Direttore della Musica Dn. Luigi Pio di Savója überreicht wurden. Nach dem Gutachten des Direktors Luigi Pio di Savója, das sich auf Bertolis Mitteilungen stützt, ist Phillebois als Kopist gut brauchbar und hätte zum Lernen viel Ge­schick, wenn er keinen anderen Beruf hätte. Eigene Entwürfe hätte er jedoch von ihm nie gesehen. Eine Titelverleihung sei bedenklich, weil Ph. später dann um Besoldung bitten würde. Er solle sich in seiner Freizeit

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