Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)
MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen
Rezensionen 613 großer Zurückhaltung. Es ist aber nicht recht einzusehen, warum er so stark das Werk von Kubizek heranzieht, der Hitler ebenso unkritisch bewundert und verniedlicht, wie ihn Greiner verunglimpft. Die dokumentarisch gut fundierte Arbeit von Jetzinger wird dagegen von J. geflissentlich vernachlässigt. Die Untersuchung Daims über Lanz von Liebenfels von 1958 kennt der Verf. offenbar noch nicht; eine kritische Auseinandersetzung mit ihr vom historischen Gesichtspunkt aus wäre für das Thema des Werkes unerläßlich. Im Literaturverzeichnis werden keine Aufsätze, nur selbständige Publikationen angeführt und auch da fehlen z. B. die Werke von Bullock und von Taylor. Das Buch schließt mit der Rückkehr Hitlers nach Wien im Jahre 1938. Der Empfang, der ihm hier bereitet wurde, ist gewiß kein Ruhmesblatt in der Geschichte unserer Bundeshauptstadt. Dennoch müßten die verschiedenen Umstände, die zum Anschluß Österreichs führten, bei einem Urteil darüber berücksichtigt werden. Der über den österreichischen Staatsvertrag im Jahre 1955 vergrämte greise Politiker aus der deutschen Bundesrepublik ist dafür wohl keineswegs der geeignete Kronzeuge. Doch das sind nur Einwände am Rand, die den Gesamteindruck nicht beeinträchtigen. Als gut geschriebene Schilderung des Lebens in der Hauptstadt der dahinsinkenden Donaumonarchie hat dieses Buch nicht nur für das Publikum in Übersee und im Ausland einen nicht geringen Wert. Dem Fachhistoriker wird darin jedoch nichts Neues geboten; insbesondere in der Hitlerforschung führt es nicht einen halben Schritt weiter. Rudolf Neck (Wien). Taylor A. J. P., The Origins of the Second World War. Hamish Hamilton, London 1961. 296 Seiten und 2 Karten. Zum Unterschied vom Ersten Weltkrieg hat es über den Zweiten bisher keine wissenschaftliche Kontroverse von Bedeutung im Hinblick auf die Kriegsschuldfrage gegeben. Die Politik Hitlers war von Anfang an eindeutig gekennzeichnet, sodaß sie nur von einigen wenigen seiner Anhänger verteidigt wurde, deren publizistische Möglichkeiten in der Nachkriegszeit gering waren. Die dokumentierte Darstellung von Walter Hofer, die mehrere Ausgaben und Auflagen erlebt hat, galt als das grundlegende Werk über die Ursachen des von Hitler entfesselten Weltbrandes. Es nimmt daher nicht wunder, daß das vorliegende Buch, das sich in seiner Grundhaltung sehr in Gegensatz zur herrschenden Lehre stellt, allenthalben in wissenschaftlichen und politischen Kreisen Widerspruch gefunden hat. Der Verf. hat schon mehrfach durch frühere Werke, allerdings für andere Zeitabschnitte und in anderer Richtung, infolge seiner z. T. eigenwilligen historischen Interpretationen gelehrtes Mißfallen erregt. Nicht alle Einwände gegen diese Arbeiten bestanden zu Recht und es bedarf auch für das vorliegende Buch, das zunächst auf einer ausgiebigen Verwertung aller vorhandenen Aktenpublikationen beruht, einer eingehenderen Analyse, ehe ein Urteil versucht werden kann. T. hat zweifellos in vielen Fällen das Aktenmaterial, das, wie er mit Recht betont, bis heute bei weitem noch nicht in dem Umfang publiziert wurde, wie nach dem Ersten