Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)

MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen

Rezensionen 605 selbst. Inzwischen waren die bis zur Verhaftung Ludwigs XVI. lebhaften Sympathien für die Revolution erkaltet, in Ungarn allerdings weniger als in Österreich. Die einsetzende Reaktion hat die meisten mitgerissen oder wenigstens schwankend gemacht. Es blieben nur wenige Gesinnungsfreunde des Martinovics übrig, die vom radikalen, ja eigentlich kommunistischen Hebenstreit in Wien bis zum sympathischen Joseph Hajnóczy in Pest reichten. Alle Akteure der Verschwörung werden knapp, aber ausgezeichnet charakterisiert. Im Mai 1794 kam es in Pest zur Gründung der Geheim­gesellschaft „Societas Reformatorum“, die als erster Grad mit Hilfe des Adels die Revolution vorbereiten sollte. Der zweite Grad, die „Gesellschaft der Freiheit und Gleichheit“, sollte dann die Revolution im Sinne einer egalitären jakobinischen Demokratie vollenden. Geheime Klopfzeichen, Handgriffe und Hieroglyphen dienten nach bewährtem Muster als Erken­nungszeichen. Die Aufdeckung der Verschwörung, die klägliche Rolle, die besonders Martinovics noch in den Verhören spielte, und die Prozesse und Hinrichtungen bilden den Schluß des Buches, das niemand ohne Spannung und lebhafte Anteilnahme lesen wird. Hervorzuheben sind noch die im An­hang gebrachten, bisher nicht oder nur im Auszug veröffentlichten Quellen und ein ausführlicher Anmerkungsteil. Hans Wagner (Wien). Sturmberger Hans, Der Weg zum Verfassungsstaat. Die politische Ent­wicklung in Oberösterreich von 1792—1861. Österreich Archiv. Verlag für Geschichte und Politik, Wien 1962, 118 Seiten. Eine große Geschichte des politischen Denkens in Österreich steht wohl ziemlich weit oben auf der Desiderata-Liste der österreichischen Historio­graphie. Die vorliegende, auf das Gebiet des Landes Oberösterreich be­schränkte, zugleich aber für die gesamte österreichische Entwicklung in dem behandelten Zeitraum sehr aufschlußreiche und bedeutsame Unter­suchung zeigt jedoch, wie viel Arbeit an Einzeluntersuchungen noch zu leisten ist, ehe ein solches Unterfangen mit Aussicht auf ein befriedigendes Ergebnis in Angriff genommen werden könnte. Erweist es sich doch auch hier, daß bei aller Gemeinsamkeit in den großen Linien die Verhältnisse von Land zu Land, ja von Viertel zu Viertel, so verschieden sind, daß ein wohlfundiertes, über die bisherigen allgemeinen, meist von Wien aus ge­sehenen Darstellungen hinausführendes Bild nur gewonnen werden könnte, wenn auch für die übrigen Krön- bzw. Bundesländer so gründliche Unter­suchungen angestellt werden, wie die von Sturmberger in vorbildlicher Weise durchgeführte. Wie reich an Ergebnissen sind doch die „dürren Akten der Polizei“, die Stimmungsberichte aus dem Lande, die lokalen Zeitungen und Broschüren, die Briefe der politisch Interessierten, der geisti­gen, kulturellen und politischen Honoratioren! Dabei verliert sich der Ver­fasser nie im Detail, sondern das Besondere weist stets, wie er selbst im Vorwort programmatisch betont, zur Erkenntnis des Allgemeinen und das Kleinbild ist wie ein Mikrokosmos des Größeren. Gerade auf diesem leichter überschaubaren Feld aber treten mancherlei gleichsam unterirdische Be­ziehungen deutlicher zutage als auf der gesamtstaatlichen Ebene. Das zeigt sich bereits bei den klugen Bemerkungen des Verfassers über

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