Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)
MISKOLCZY, Julius: Das Institut für ungarische Geschichtsforschung in Wien und seine Publikationen
596 Rezensionen die gleichmäßige Durcharbeitung des Stoffes ohne Berücksichtigung des besonderen Arbeitsgebietes des Autors, das bisher vor allem im Frühmittelalter lag. Das ist in vollem Maße gelungen: der Raum, der für Urgeschichte Altertum und Mittelalter benötigt wurde, macht ein Drittel des Bandes aus, zwei Drittel blieben der neueren und neuesten Geschichte Vorbehalten. Natürlich war es auch bei einem starken Band, der die ganze österreichische Geschichte umfaßt, nicht möglich, einzelne Persönlichkeiten genauer zu schildern oder den Gang der Ereignisse durch Zusammenfassungen und rückschauende Betrachtungen zu unterbrechen. Der Vf. mußte sich mit knappen Charakteristiken begnügen. Etwas ausführlicher sind mit vollem Recht nur Prinz Eugen (S. 273 f.) und Maria Theresia (S. 318 f.) behandelt. Hie und da scheint hier etwas zu sehr mit dem Platz gespart worden zu sein. So fehlt z. B. jede Charakteristik einer Herrschergestalt wie der Leopolds I. Das Ende der habsburgischen Herrschaft in Österreich und der Monarchie, der Abschluß einer vielhundertjährigen Entwicklung, wird ohne jeden Kommentar einfach als Faktum angezeigt (S. 491). Bei der Darstellung der neuesten Ereignisse hingegen wirkt die Knappheit und Unpersönlichkeit des Ausdrucks in dem noch nicht von Ressentiments und Parteienhader freien Raum wohltuend und angebracht. Überall aber muß der mit der österreichischen Geschichte einigermaßen vertraute Leser mit Erstaunen feststellen, daß es möglich war, so Wesentliches in so knapper Form auszusagen. Besonders schwierig mußte die Forderung zu erfüllen sein, auch die gesamte Kunst-, Musik- und Literaturgeschichte Österreichs ohne Zurück- drängung der politischen und wirtschaftlichen Probleme zu bringen. Auch hier ist die Aufgabe mit vorsichtigen und zutreffenden Wertungen gut gelöst worden. Nur in der neuesten Zeit hätte man bei den Schriftstellern weniger Namen, dafür aber eine eingehendere Würdigung der inzwischen zu internationalem Ansehen gelangten österreichischen Dichter gewünscht. Aber diese Dinge sind im Fluß, die Nachwelt wird sicher manche heute gefeierten Größen vernachlässigen und heute Vergessenes wieder hervorholen. Gerade auf diesem Gebiet ist es unmöglich, allen Wünschen gerecht zu werden. Ebenso ist es einer solchen Leistung gegenüber nicht fair, auf einzelne fehlende Personen, auf Ungenauigkeiten im Ausdruck oder kleine Irrtümer hinzuweisen. Sie sind, an der Masse des Stoffes gemessen, ganz unerheblich und werden sicher in Neuauflagen berücksichtigt werden. Besonders hervorzuheben ist, daß der neueste Stand der Forschung überall berücksichtigt ist. Hier wird auch in Hinkunft wenig zu ändern sein. Sehr instruktiv und nützlich sind die Angaben über Quellen und Literatur, die einen kritischen Apparat, der hier kaum möglich gewesen wäre, ersetzen. Für sie standen fünfzig Seiten Kleindruck zur Verfügung. Einem allgemeinen Teil mit Gesamtdarstellungen, Zeitschriften und Bibliographien sowie Darstellungen zu den einzelnen Sachgebieten und der Aufzählung aller wichtigeren Quellensammlungen folgt eine Übersicht des wichtigsten Schrifttums zu den einzelnen Kapiteln. Hier ist alles Wesentliche auf genommen und — wie ein Vergleich mit dem Text zeigt — auch wirklich verarbeitet worden. Besondere Berücksichtigung fanden die seit dem letzten Band des Handbuchs von Uhlirz (1944) erschienenen Werke.