Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 15. (1962)
WINTER, Otto Friedrich: Österreichische Pläne zur Neuformierung des Reichstages 1801–1806
294 Otto P. Winter auf das Zustandekommen einer endgültigen Abstimmung. Die Frage blieb daher ungelöst. Aus dieser Situation erklärt sich zu einem guten Teil die mangelnde Aktivität des Reichstages in den letzten Jahren seines Bestehens. Die kaiserlichen Diplomaten gingen frühzeitig daran, die besten Vorbedingungen für die Behandlung des Hofdekrets durch den Reichstag zu schaffen. Da Freiherr von Hügel im Oktober und November 1803 in Wien weilte, um dort mit den kaiserlichen Ministern und dem neuernannten kurböhmischen Gesandten Grafen Friedrich Stadion Beratungen zu pflegen, oblagen Fahnenberg die Vorbereitungen in Regensburg selbst, wohin er schon am 2. Oktober von seinem Gut im Breisgau zurückkehrte93). In dem Bericht über seine Rückkehr betonte er schon die Notwendigkeit einer „Prädeliberation“ über die Frage, wie der Stimmenaufruf unter den geänderten Verhältnissen gehandhabt werden solle, und wies auf die in dem oben erwähnten Schreiben des Berliner Hofes sich abzeichnende gegnerische Haltung Preußens hin, das sich auch unter den gegebenen Verhältnissen auf eine massive Mehrheit im Fürstenrat stützen könne. Er legte auch ein Verzeichnis von insgesamt 73 katholischen Stimmen bei, mit denen das Mißverhältnis der Stimmen in etwa ausgeglichen werden könne: Im Vergleich zum § 32 des Deputationshauptschlusses beanspruchte er für Österreich weitere 6 Stimmen („Burgau, Nellenburg, Görz, Gradiska, Bregenz, Hohenberg“), je eine weitere für Kursalzburg („Niederpassau“), Kurerzkanzler („Wetzlar“), Salm-Salm, Fürstenberg, Liechtenstein, und die Neuaufnahme von Colloredo, Croy, Metternich, Truchseß, Fugger-Babenhausen, Bretzenheim, Khevenhüller, der fränkischen und westfälischen Reichsgrafen katholischen Teils94 *). 93) Manuskript zum „Repertorium der diplomatischen Vertreter aller Länder“, 3. Band, a. a. O. — Bericht Fahnenbergs vom 3. Oktober 1803, StK., Regensburg, österr. Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 241, fol. 1—3. 94) Von katholischer Seite hatten beim Reichstag eine Bewerbung vorgelegt: Westfälische katholische Grafen am 10. März, Fürstenberg (für ein weiteres Votum) am 1. September, Fugger-Babenbausen am 1. Oktober 1803. Noch vor Eröffnung der Verhandlungen folgten Truchseß und Salm-Salm (für 2. Stimme) am 4. November und Croy am 10. November 1803, nach Eröffnung Metternich und Khevenhüller am 18. November, Arenberg (für 2. Stimme) am 5. Dezember, Öttingen-Waller stein (für 2. Stimme) am 24. Dezember 1803, Löwenstein-Wertheim (für 2. Stimme) am 12. Jänner, Sinzendorf am 18. Jänner, Salm-Reiferscheid am 1. März, Liechtenstein (für 2. Stimme) am 21. April und Windischgrätz am 15. Juli 1804 (Sch eihaß, a. a. 0., S. 37—43. Bericht Stadions vom 21. Jänner 1804, StK., Regensburg, böhmische Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 152, fol. 70—130, mit Gesuchen von Truchseß bis Sinzendorf als Beilagen). Am 17. Jänner 1805 bewarb sich Fürst Trauttmansdorff (StK., Regensburg, österr. Gesandtschaft, Berichte, Fasz. 243, Nr. 17) und am gleichen Tage kam eine Mitteilung des Fürsten Esterházy zur Diktatur, daß er nach Erwerbung der Grafschaft Edelstetten vom Fürsten von Ligne in dessen Stimmenbewerbung eintrete (ebenda). — Die anderen von Fahnenberg Genannten reichten niemals eine offizielle Bewerbung ein.