Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

ERNST, August: Der Hoftag in Eisenstadt 1392

Der Hoftag in Eisenstadt 1392. Von August Ernst (Eiisenstadt). Nach dem Tode König Ludwigs des Großen wurde dessen ältere Tochter Maria zum König von Ungarn gewählt. Infolge Minderjährigkeit der Re­gentin übernahm die Königinmutter nominell die vormundschaftliche Re­gierung, während die Regierungsgeschäfte der ehrgeizige, aber fähige Pala­tin Nikolaus Gara besorgte, der sich zu Zeiten Ludwigs des Großen aus kleinen Verhältnissen bis zur höchsten Würde des Reiches emporgearbeitet hatte und nun das ungeteilte Vertrauen der Königinnen besaß. Diesen be­herrschenden Einfluß und seiner kleinadeligen Abstammung, nicht minder aber auch seinem harten Regiment verdankte er den unversöhnlichen Haß, den ihm die vornehmen Adelsgeschlechter entgegenbrachten. Bald bildete sich in den südwestlichen Gebieten, vor allem in Kroatien und Dalmatien, eine geheime Verschwörergruppe, die den neapolitanischen König Karl III. Durazzo auf den ungarischen Thron zu erheben beabsich­tigte. Aber auch in anderen Teilen Ungarns, sowie in Polen, das seit König Ludwig I. mit Ungarn in Personalunion verbunden war, regte sich der Geist des Unmutes und der Aufsässigkeit. Ungünstig wirkte sich vor allem das Gehaben des Luxemburgers Sigismund, des Verlobten Marias aus, der durch seine Verschwendungssucht und durch sein jugendlich-unkluges Verhalten den Adel eher abstoß als zu gewinnen vermochte. So sahen die Verschworenen in Kroatien, Dalmatien und Bosnien die Zeit zur Ausfüh­rung ihrer geheimen Vorbereitungen für gekommen und riefen ihren Kan­didaten König Karl den Kleinen nach Ungarn, der tatsächlich am 31. De­zember 1385 in Stuhlweißenburg zum König von Ungarn gekrönt wurde. Seine Herrschaft war allerdings nur von kurzer Dauer und endete knapp einen Monat später durch Mord. Nun wollte der Palatin auch die Aufstän­dischen wieder zur Vernunft bringen und überredete die Königinnen, sich an der Spitze des Heeres in das Gebiet der Verschwörer zu begeben, um durch ihre Anwesenheit deren Gemüter zu besänftigen und zu läutern. Diese in der besten Absicht unternommene Befriedungsaktion kostete der Kö­niginmutter und dem Palatin das Leben, während die Königin Maria in die Gefangenschaft der Aufrührer geriet. Durch diesen Vorfall aufgeschreckt, riefen die Stände den mittlerweile in Böhmen hilfesuchenden Sigismund zurück und betrauten ihn mit der Be­freiung der Königin. Die Banderien der Kanizsai, Losonczy, Gara, Maróthy, Frangepan und anderer Herren schlossen sich seinem Unternehmen an. Am

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