Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

CORNARO, Andreas: Österreich und das mexikanische Freikorps

Österreich und das mexikanische Freikorps 77 Möglichkeit wahr, in der österreichischen Armee weiterzudienen, die mei­sten ließen sich in ihre Heimatgemeinden transportieren. Die Ausländer, zu denen nun auch die aus Venetien, das im Jahr vorher an Italien ab­getreten worden war, Stammenden gehörten, wurden in ihre Heimat unter Verständigung ihrer Regierungen abgeschoben. Eine Ausnahme machte man hiebei nur mit den aus Mexiko heimgekehrten Flüchtlingen aus Russisch-Polen, denen meist Galizien als Aufenthalt angewiesen wurde59). Weitere Ansprüche an den österreichischen Staat hatte nach den Be­stimmungen der Aufstellung des Korps niemand zu stellen. Die Aussichten, die rückständigen Summen von dem zusammenbrechenden mexikanischen Kaiserreich noch zu erhalten, wurden immer geringer. Die Lage Baran- diarans, der von Entlassenen mit ihren ausständigen Forderungen in Wien bedrängt wurde, war recht peinlich. Im April kam es dann zu Aufläufen von Exlegionären vor der Wohnung von Oberst Leisser, des Militärattachös bei der mexikanischen Gesandtschaft. Das erste Mal ließen sich die Leute vorläufig durch die Austeilung von je einem Gulden pro Kopf abspeisen, beim nächsten Mal mußte die Polizei einschreiten 60). Die nach der Auflösung des österreichischen Korps in Mexiko geblie­benen Freiwilligen, aus denen ein Infanteriebataillon und ein Husaren­regiment formiert worden waren, haben bei dem Endkampf Maximilians keine Rolle mehr gespielt, denn der Kaiser nahm, als er zu seinem letzten Zug nach Queretaro aufbrach, nur mexikanische Truppen mit. Außer einigen ehemaligen Korpsangehörigen, die in der unter den mitgenomme­nen Truppen befindlichen Munizipalgarde dienten, und einer Eskadron des Husarenregimentes, die als Eskorte des später nachfolgenden Ministers Vidaurri zur kaiserlichen Kolonne stießen, waren keine österreichischen Streitkräfte bei den Ereignissen in Queretaro beteiligt. Die in der Haupt­stadt zurückgelassenen Österreicher zeichneten sich bei ihrer Verteidigung aus, die auch noch nach der von dem Befehlshaber General Marquez der Besatzung verheimlichten Gefangennahme des Kaisers am 15. Mai fortgesetzt wurde. Erst durch ein Telegramm Maximilians, der den preußi­schen Gesandten und zwei Advokaten wegen seines Prozesses nach Quere­taro bat, erfuhr man in Mexiko Sicheres von der Lage des Kaisers. Die österreichischen Offiziere wollten aber, um sicher zu gehen, eine direkte Ordre Maximilians, die sie von ihrer Dienstpflicht entbände61), zumal auch manche von ihnen das Telegramm von den republikanischen Belage­rern fingiert hielten62). Erst am 19. Juni, dem Tage der Hinrichtung Maximilians, erhielten sie 59) In diesem Sinne waren die Polen des Freikorps in Mexiko schon im Herbst 1866 beim österreichischen Gesandten vorstellig geworden. Lago an Mensdorff, 28. 10. 1866. HHStA, PA 34, 4. 60) Siehe Bericht in „Die Presse“ vom 25. u. 27. 4. 1867. 6>) Lago an Beust, 31. 5. 1867. HHStA, PA 34, 5. 62) Siehe Schmit von Tavera, Die mexikanische Kaisertragödie, S. 54.

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