Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

WINKELBAUER, Walter Franz: Von der Registratur zum Archiv. Die Entwicklung des Finanzarchivs (Archivs des Finanzministeriums) in Wien von 1829 bis 1892

Von der Registratur zum Archiv 495 Zwei Jahre später wehrte sich die Registratur wieder gegen die Über­nahme der von Hofkammer-Präsident Gf. Klebelsberg abgegebenen älteren Präsidialakten* 16), der Geschäftsgang in der Registratur wurde immer mehr behindert, so daß man nun unbedingt eine Lösung finden mußte. Die Anregung zur Errichtung einer „selbständigen Registratur für die älteren Hofkammer-Akten“ ist in der oben zit. Denkschrift erfolgt17). Es sollte das Archiv seine jüngsten Akten, etwa 10.000 Faszikel und die currente Registratur ihre alten Bestände bis 1820, etwa 5000 Faszikel, an die neue Abteilung abtreten. So bekämen beide Platz und alle drei Stellen könnten gleichzeitig, und nun leichter, mit der Ausscheidung un­wichtiger Akten beginnen. Man griff die Anregung modifiziert auf, und mit Ratsbeschluß vom 5. Juli 18 33 erfolgte die Errichtung einer „Alten Registratur“, die die älteren Akten aus sämtlichen Geschäftsabtei­lungen der Allgemeinen Hofkammer umfassen sollte18), doch vergingen noch Monate bis zur endgültigen Konsolidierung, so daß erst am 6. März 1834 durch eine Currende die Information davon für alle Referenten er­folgte 19). Das im Mariazeller-Hof20) vorgesehene „neue Lokale“ bestand „zu ebener Erde aus einem neu hergerichteten großen Zimmer (wo vorher eine kleine Wagenschupfe und eine Stallung war) und aus einer anstoßenden kleinen Wohnung von einem Zimmer und zwey kleinen Kammern nebst einem sehr kleinen Vorhause“. Die Wohnung war von einem Amtsdiener bewohnt, der sie „ungeachtet der beabsichtigten früheren Räumung erst zu Michaelis v. J. verließ“ — und dann wurde sie wieder unerwartet bis zum Jänner von der Lotto-Gefällen-Direktion belegt21). Die Einrichtung mit Stellagen ließ auch lange auf sich warten, „da der Haustischler ... mit anderen Arbeiten so sehr überhäufet war“ 22). liehen Straßen, Gassen, Plätze, Häuser ..., Wien 1821, S. 4, Nr. 29. e) Joseph Schlessinger, Der Cataster. Handbuch über sämtliche Häuser der k. k. Reichshaupt- und Residenzstadt Wien, Wien 1875, S. 14. f) Robert Messner, Wien vor dem Falle der Basteien, Wien 1958, S. 21, Konskr. Nr. 29. 16) FA Reg. Nr. 68/1833. 17) a. a. 0„ s. Anm. 11. 18) 23.812/1833, im HKA nicht mehr vorhanden, zit. in HKA 7199/1834 und FA 6681-Pr/1840. 19) HKA 7199/1834. 20) wohl an der Stelle des heutigen Hofkammerarchivs, dieses befand sich ja noch im alten Kaiserspital auf dem Ballhausplatz, — auch Ballplatz, s. FA 6681/1840, — s. Anm. 12 u. Walter, a. a. O.; das Gebäude s. bes. Schlessinger, Messner, Grundriß v. Wien 1798, (Anm. 15). Der Mariazeller-Hof war 1827 durch Versteigerung für 179.550 fl. C. M. an das Cameral-Ärar gekommen; „der 1615 erbaute, schon äußerst baufällige Trakt in der Johannesgasse wurde 1842 niedergerissen.“ s. Franz Stanglica, Aus der Geschichte des Mariazellerhofes, Monatsblatt d. Ver. f. Geschichte d. Stadt Wien IV, XVIII. Jg., Nr. 7/9 Juli— Sept. 1936. 2!) HKA 7199/1834. 22) a. a. O.

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