Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände

Das Vorarlberger Landesarehiv und seine Bestände 391 tung, soweit sie noch vorhanden, im Bezirksgericht Bregenz aufbewahrt. Die alten Archive waren oft den Hausmeistern überlassen, die darin ein billiges Anheizmaterial sahen. So konnten Ende des 19. Jahrhunderts in Bregenz die letzten Zinsrodel des alten Klosters Mehrerau aus dem 13. und 14. Jahrhundert vor dem Verbrennen gerettet werden, und zwar im letzten Augenblick, während einige schon in den Ofen gewandert waren. Aus einem im Jahre 1836 angelegten Verzeichnis der Akten des Bre­genzer Oberamtes können wir die großen Verluste ermessen, die allein von diesem Jahre bis zur Gründung des Vorarlberger Landesarchivs fest­zustellen sind. Bezüglich der Zahl der erhaltenen Urkunden ist das Vogteiamtsarchiv Feldkirch etwas besser gestellt, aber dafür der Aktenbestand fast zur Gänze verloren. Nur einige Bündel seit dem 16. Jahrhundert haben die Zeiten überdauert. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das ehemals freie kaiserliche Landgericht in Rankweil vom Vogt zu Feldkirch mitverwaltet und der Vogt von Feldkirch war gleichzeitig Landrichter zu Rankweil. Wahrscheinlich, bewiesen werden kann dies nicht, ließ der Vogt die Archivalien des Land­gerichtes Rankweil nach Feldkirch bringen und diese gingen dann mit den Vogteiamtsakten von Feldkirch verloren. Dabei hat dieses Gericht schon unter den Karolingern bestanden. Eine Reihe von Urkunden aus dem 9. Jahrhundert, die in Rankweil, dem alten Vinomna, ausgestellt wurden, sind heute im Stiftsarchiv St. Gallen zu finden. Dieses Gericht reichte ursprünglich vom Arlberg bis zum Walensee und vom Bodensee bis zum Splügen. Was noch in dem einen oder anderen Archiv an einzelnen Urkunden aufzufinden ist, ist alles, was von diesem einst stolzen Gericht übrigblieb. Das, was wir noch im Vorarlberger Landesarchiv vom Landgericht Rankweil aufbewahren, reicht nur in das 17. Jahrhundert zurück und ist ohne größere Bedeutung. Besser gestellt ist das Archiv des Vogteiamtes Bludenz. Die Freiherrn von Sternbach hatten seit Anfang des 18. Jahrhunderts bis ins 19. Jahrhun­dert diese Herrschaft als Lehen. 1743 wurde hier ein eigenes Archivgewölbe gebaut. Mitte des 19. Jahrhunderts ließen die Freiherrn von Sternbach, die nur noch als Gutsbesitzer in Bludenz hausten, da das Lehen eingezogen wurde, die zurückbehaltenen Archivalien durch einen „Archivar“ ordnen und verzeichnen. Erst viel später machte man die Entdeckung, daß dieser Archivar jene Urkunden, die er nicht lesen konnte, zerschnitt und wert­volle Urbare und Handschriften bis nach Heidelberg verkaufte. Wir müs­sen aber doch dankbar sein, daß uns so vieles von diesem Archiv erhalten blieb, zumal sich ohne diese Bestände keine Arbeit über den Bezirk Bludenz denken läßt. Jeder Archivar wird in seinem Gebiet mehr oder weniger schlechte Er­fahrung mit Archivkörpern gemacht haben, die lange nicht archivmäßig aufbewahrt wurden.

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