Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

TIEFENTHALER, Meinrad: Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände

Das Vorarlberger Landesarchiv und seine Bestände 387 Archivberichte aus Vorarlberg, in den Rechenschaftsberichten des Vorarl­berger Landesmuseumsvereins, verloren gegangen sind. Es besteht natürlich eine gewisse und im Hinblick auf die letzten Kriegsereignisse sicherlich nicht ganz unberechtigte Abneigung gegen die Zentralisierung. Dem muß aber entgegengehalten werden, daß in den Archiven die Archivalien viel geschützter und nur in Kriegsfällen größerer Gefahr ausgesetzt sind, wäh­rend in den langen Friedensjahren bei nicht hauptamtlich verwahrten Archiven dauernd Schäden entstehen. Die Urkunden wurden in Vorarlberg in den letzten Jahren alle regi­striert, d. h., über alle Urkunden wurden Regesten angelegt, die bis zum Jahre 1500 herauf ausführlich gehalten sind und nach 1500 mehr als Titel­regesten zu bezeichnen wären. Zu diesen Regesten wurde ein Siegler­verzeichnis angelegt, ein Verzeichnis der Orts- und Familiennamen, wo notwendig, auch ein Sachverzeichnis, sodaß man sofort an Hand dieser Verzeichnisse feststellen kann, ob für den einzelnen Forscher etwas vor­handen ist oder nicht. Den größten Raum im Archiv beanspruchen naturgemäß die Akten. Bei uns sind zwar wenige Aktenstücke, die bis ins 15. Jahrhundert zurück­reichen. Auch das 16. Jahrhundert ist noch spärlich vertreten. Im 17. und 18. Jahrhundert allerdings beginnen dann die Akten zu einer großen Masse anzuschwellen. Die Aufbewahrungsart dieser Akten wurde schon oben dar­gelegt. Bei den vielen Archiven, die als Depot im Landesarchiv lagen, war es unmöglich, jedes Archiv in seinem Gesamtbestand, also: Urkunden, Akten und Bücher beieinanderzulassen. Bei uns wird es so gehalten, daß alle Ur­kunden gemeinsam aufgestellt sind, natürlich so, daß die einzelnen Archiv­körper beisammenbleiben und ebenso wird es mit den Akten und Hand­schriften gemacht. In der verschiedenen politischen und kirchlichen Zugehörigkeit des Lan­des liegt es begründet, daß auch viele Archivalien in auswärtigen Archiven liegen. Durch den Ankauf von Urkundenbüchern, von Gesamtübersichten und Inventaren über die Bestände dieser Archive, durch Auszüge aus den bezüglichen Suchbüchern wird getrachtet, dem Forscher zu ermöglichen, sich schon im Vorarlberger Landesarchiv ein Bild vom Material in anderen Archiven machen zu können. In neuerer Zeit gibt uns die Photographie ein Hilfsmittel an die Hand, das nicht genug für archivalische Zwecke ausgenützt werden kann. Durch die Entwicklung der Kleinbildkamera wird es auch kleineren Archiven möglich, zu erschwinglichen Preisen in fremden Archiven lagernde Archi­valien photographisch zu erfassen. Gerade für Vorarlberg ist dies sehr wichtig, da die Nachbararchive wie St. Gallen, Chur, Innsbruck und weiter entlegene wie München, Stuttgart, Karlsruhe, Wien, um nur die größeren zu nennen, beträchtliches Urkunden- und Aktenmaterial besitzen, das uns angeht. Wenn nicht die Photographie als Hilfsmittel verwendet wird, ist 25*

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