Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
STURMBERGER, Hans: Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun
Ein Brief Johann Friedrich Böhmers an Anton v. Spaun 371 und fuhren gemeinsam nach Linz * ii) * 13). Im Jahre 1843 war Böhmer mit Heinrich Pertz in Linz, wo er im Museum Extrakte einiger Kaiserurkunden erwarb, sein nächster Aufenthalt in Linz läßt sich dann im November 1845 feststellen. Damals war er 2 oder 3 Tage in Linz, aber weil ihn, wie er selbst an Stülz zwei Jahre später schrieb „Ich weiß nicht, welche Klein- muth und Schwermuth niederdrückte“, blieb er für sich, machte keine Besuche und suchte nicht einmal das Museum auf 14). Nach zweijähriger Pause finden wir den Frankfurter Historiker im Herbst 1847 neuerdings in Linz und St. Florian auf der Durchreise nach Wien. Dann trat vermutlich im Zusammenhang mit den Ereignissen des Jahres 1848 eine größere Unterbrechung in Böhmers Forschungsreisen nach Österreich ein. Im Jahre 1854 plante er eine Österreichreise, aber der Plan kam nicht zur Ausführung und es blieb bei der Hoffnung, diese Reise im nächsten Jahr durchführen zu können. Damals schrieb er an Jodok Stülz, daß er sich „unendlich darauf freue, das liebe Österreich und Wien und alles, was damit zusammenhängt, einmal wieder zu sehen“ 15 *). Hatte Stülz damals gehofft, den Frankfurter Freund im Frühling 1855 in St. Florian begrüßen zu können i«), so kam es offenbar erst im Jahre 1858 zur Reise Böhmers nach Oberösterreich. Damals — es war wieder im Herbst — fuhr er per Schiff 17) von Donauwörth die Donau abwärts über Passau, wo er „nichts Altes, Anziehendes“ fand, bis Linz. Von Linz aus reiste er sogleich nach Hall. „Hier gefiel es mir bei schönem Wetter in der schönen Gegend, aber die Einsamkeit machte mich melancholisch. So lief ich denn in einem unvernünftigen Raptus nach ein paar Tagen wieder fort, ohne mein Heil an der Quelle gesucht zu haben.“ Aus einem Brief an Maria Görres in München sieht man, daß er dann nach Gmunden reiste und bei einer Dampfschiffahrt auf dem Traunsee Erholung suchte. In Linz, wo Spaun, der 1849 gestorben war, ihm sehr fehlte, besuchte er das Museum, wo man ihn erkannte und freundlichst aufnahm. Damals erregten in Linz die nunmehr aufgelassenen Befestigungswerke, welche der Erzherzog Maximilian am Beginn der Dreißigerjahre hatte errichten lassen, seine Aufmerksamkeit18): „Die Festungswerke, die man mit so viel Kosten erbaut hat, waren nun aufgelassen, d. h. zur Demolierung bestimmt; nach den geringen Kenntnissen, die ich mir von solchen Dingen is) Böhmer an Chmel, 29. 3. 1840; hier nennt er Spaun den „werthen Reisegefährten, der mir am 17. Sept. 1833 zu Linz unter dem Jubelgeschrey der Seini- gen abhanden kam . . ; Janssen 2, S. 298. ii) Böhmer an Stülz, 30. 5. 1847; Janssen 2, S. 487. is) Böhmer an Stülz, 2. 12. 1854; Janssen 3, S. 131. i«) Stülz an Böhmer, 18. 12. 1854; Orig. Stiftsarchiv St. Florian. iQ Über die Reise vergl. Böhmers Brief an Maria Görres, 31. 10. 1858, Janssen 3, S. 265. « 15) Über die Maximilianeischen Befestigungen von Linz (1830/32) vgl. H. Kreczi, Linz, Stadt an der Donau (1951); dort auch Literatur. E. Hillbrand, Die Maximilianeische Befestigung von Linz, Anzeiger d. Őst. Akad. d. W. 94/1957, S. 405 ff. 24*