Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
MORO, Gotbert: Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv
Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv 219 der Bestätigungsurkunde Kaiser Konrads II. 1028 genannte Sohn des Gründers von Ossiach gewesen (Ozi II.) 52). Ob Graf Ozi I. jemals die Grafschaft Mattiggau verwaltete, läßt sich mangels an Quellen nicht feststellen, ist aber nicht anzunehmen, da die von Klebel ermittelte — allerdings sehr lückenhafte — Liste der Grafen des Mattiggaues 53) vor Graf Ozi von 1027 (jedenfalls Ozi II.), den Klebel ausdrücklich für den Gründer Ossiachs hält54), zur Zeit, als der 994 genannte Ozi I. wohl noch gelebt hat, 1007 einen Grafen Gebehard aufweist; für die vorangegangene Zeit fehlt seit 843 jeder Beleg55). Die Stifterfamilie hatte die Grafschaft auch nach 1027 nicht ununterbrochen inne, denn 1039 wird ein Graf Pilgrim genannt, der ihr nicht angehörte, während der 1051 erwähnte Graf Ouzzo und der 1079 genannte Graf Udalricus nach Klebel zur Stifterfamilie zu zählen sind, die sich im 12. Jh. nach dem schon 1028 im Besitz Ozis II. befindlichen Cor- denons in Friaul 56) bezeichnete und zwischen 1112 und 1122 (1138?) mit Otto von Cordenons ausstarb, von dem die steirischen Ottokáré die Vogtei über das Kloster erbten57). Doch den m. E. unwahrscheinlichen Fall angenommen, daß der 1027 als Graf des Mattiggaues nachweisbare Ozi nicht der Sohn des Gründers von Ossiach, sondern dieser selbst (Ozi I.) gewesen wäre, wäre es doch unerklärlich, daß er oder seine Familie nach der Stiftung und der — übrigens verhältnismäßig geringen — Ausstattung des Klosters den weitaus größeren Teil des Treffner Hofes aufgegeben und nur die Vogtei des Klosters Ossiach behalten hätte. Dabei könnte es sich auch nur um eine freiwillige Hintangabe und nicht, wie Klebel meint, gewaltsame Enteignung des Treffner Besitzes durch die Eppensteiner gehandelt haben. Auffallend ist, daß die Legende über die Klostergründung 58) von keinen Beziehungen Ossiachs zu Treffen spricht, sondern den Klostergründer (Ozi I.) als comes Tiffensis (Graf von Tiffen) bezeichnet. Da Tiffen nordöstlich 52) Vgl. dazu auch H. Pirchegger, Die Otakare, Markgrafen von Steiermark, in: O. Düngern, Genealogisches Handbuch zur bairisch-österreichischen Geschichte, 1. Lfg., Graz 1931, S. 63. 55) E. Klebel, Diplomatische Beiträge zur bayerischen Gerichtsverfassung, Archivalische Zeitschrift 44. Bd. (3. F. 11. Bd.), 1936, S. 230; ders. in Mitt. d. öster. Inst. f. G. XIV. Erg-Bd., S. 175 ff., 187 u. 201. 54) Grundherrschaften, S. 33, ebenso Mitt. d. österr. Inst. f. G. XIV. Erg. Bd., S. 201. — H. Pirchegger, Gesch. d. Steiermark I. Bd., Gotha 1920, bezeichnet S. 425 gleichfalls außer den Eltern, Graf Ozi (I.) und Glismod, auch deren Söhne, Graf Ozinus (Ozi II.) und Patriarch Poppo von Aquileja, als Stifter des Klosters Ossiach. 55 ) 843 wird ein comes Nordperkt genannt. — Das Diplom, in dem Graf Gebehard erwähnt wird, Mon. Germ. DD. Heinrich II. Nr. 158, ist mit November 1 datiert, also rd. 6y2 Monate später als die Erwerbung des Gutes Treffen durch König Heinrich II. 55) Mon. Car. III, Nr. 244. 57) E. Klebel, Archival. Zeitschr. a. a. O., S. 230; H. Pirchegger in: O. Düngern a. a. O., I, S. 63 f.; A. Jaksch, Gesch. Kämt. I, S. 282 u. 308. 58) J. Wallner, Annus millesimus S. 38 f.