Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

MORO, Gotbert: Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv

Zur ältesten Originalurkunde im Kärntner Landesarchiv 217 tauschten Treffen begabt hätte. Als solchen sah er den Vater des Patri­archen Poppo von Aquileja an, verwechselte ihn aber mit dessen Bruder (Ozi), so daß er den Enkel des Klostergründers (Otto), für den Bruder Poppos hielt. Die Geschicke Treffens bis zum Auftreten der Grafen von Treffen, deren genealogische Erforschung ihm zu danken ist, konnte Muf- fat nicht ermitteln; er vermutete aber, daß das ganze inmitten erzbischöf­lich salzburgischer Besitzungen gelegene Treffner Gut in der Zeit des In­vestiturstreites unter Vermittlung des papsttreuen Erzbischofs Gebhard von Salzburg durch eine Ehe in die Hand eines gleichfalls päpstlich gesinnten Anhängers gelangt sein müsse, der eben Graf Wolfrad IV. von Alshausen-Isny-Veringen (als Graf von Treffen Wolfrad I.) gewesen ist. Ohne es auszusprechen, scheint demnach Muffat der Meinung gewesen zu sein, daß die Schenkungsurkunde durch den Klostergründer nach Ossiach gelangt und ohne Rücksicht auf die späteren Besitzer des Treffner Gutes, von dem das Ossiacher Gebiet durch die Klostergründung abgetrennt wor­den wäre, dort verblieben sei. Ankershofen, der von der Erwerbung Treffens durch König Heinrich II. 1007 noch keine Kenntnis gehabt hatte, schloß sich nun Muffat an39). Nach August Jaksch waren die Schicksale Treffens von 901, in welchem Jahre das Kloster Otting sicher noch selbständig war, bis 993, als dem Bistum Passau die einst dem Kloster gehörige Kapelle Otting bestätigt wurde, unbekannt40). So spricht er auch nicht von einer Zugehörigkeit des Ossiacher Gebietes zum Hof Treffen, sondern sagt im Zusammenhang da­mit, daß Graf Ozi I. 994 in einer Gerichtsurkunde des Patriarchen Johannes von Aquileja in Friaul als Graf und Gewaltbote König Ottos III. erscheint: „Da Villach noch 1060 zur Grafschaft Friaul gehörte, so war vielleicht der 980 zuletzt genannte Graf Hartwich ein Vorgänger Ozis und es ist daher dann begreiflich, daß er an dem nordöstlich nächst Villach gelegenen Ossiachersee in der Salzburger Erzdiözese auf unbekannte Weise Eigen­besitz erlangte“ 41). Über das Treffner Gut erfahre man nach dem Jahre 1007 erst 1096 wieder, als hier Wolfrad (von Treffen) begütert erscheint, dessen Geschlecht aber in keiner Weise dem Stamm der Stifterfamilie von Ossiach angehöre42). Auf den 1065/66 bezeugten Besitz der Eppensteiner an der Treffner Kirche und zweifellos auch dem Treffner Gut ging Jaksch nicht ein, da er es für wahrscheinlich hielt, daß unter der Kirche Treffen die Kirche St. Lambert in dem nahegelegenen Buchholz gemeint sei43). 30) Hb. d. Gesch. Kämt. II, Regesten und Urkunden, S. 87 f. 40) Gesch. Kämt. I, S. 147. 44) Ebda. S. 171. — Auf die umstrittene Frage der Zugehörigkeit Villachs zur Grafschaft Friaul sei hier nicht eingegangen. 49) Mon. Car. III, S. XX f., und Gesch. Kämt. I, S. 171. 43) Gesch. Kämt. I, S. 195, und II, S. 245; St. Lambert in Buchholz sieht Jaksch, Zeitschrift d. histor. Vereines für Steiermark 9, 1911, S. 89 ff., bes. 91 f., wegen des Patroziniums als eine Eppensteiner Gründung an; dazu E. Klebel, Zur Gesch. d. Pfarren u. Kirchen Kärntens III, Car. I 117. Jg., 1927, S. 95.

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