Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

MIKOLETZKY, Hanns Leo: Holics und Sassin, die beiden Mustergüter des Kaisers Franz I. Stephan

Holies und Sassin, die beiden Mustergüter des Kaisers Franz I. Stephan. Von Hanns Leo Mikoletzky (Wien). Franz I. Stephan hatte schon am 28. Januar 1751 sein Testament ver­faßt. Von den beiden Kodizillen, das eine vom selben Tag, das andere vom 14. Dezember 1752, enthält nur das erstere sachliche Verfügungen, während das letztere religiösen Charakters ist1). In seinem eigenwilligen, fast phonetisch wiedergegebenen Französisch2), zu dem die Kaiserin sogar gelegentlich Transkriptionen anfertigt, damit der Adressat weiß, worum es sich eigentlich handelt 3), schreibt der Kaiser da unter Punkt 19 und 20: „19 je laisse les 2 tere de hongrie holiche et chachin a Mon eritie met lusufrui et revenu des dite tere douat etre en- plouuie a peie parti de mes dete personel jus qua leurs extengtion cela- santan de celles que jay contraquete hisi met com celairet trop louen je charge Mon erittie de tache de les peie le plus tos posible poure le repos de mon ame et paria ille jouira dotan plus tos des revenu des dite tere. 20 je veut osi exprese man que les dite deux tere ne soua jamet alliene mes rest au metre du granduche de Tosquan san quel puis etre vandu done ni alliene docun fáson: Met osi je veut quel soua toujoure regarde et posede com particulie San quel devien domanial en ocun fáson “ 4). Das Bild, das sich der Historiker bis heute von Kaiser Franz I. Stephan geformt hat, beruht im Grund weniger auf archivalischen Forschungen als auf den Aussagen von Zeitgenossen. Das Wenige, das sich in der Literatur findet, stammt von den Khevenhüller, Podewils, Fürst und Bark und wird nur gelegent­lich variiert beziehungsweise ergänzt. Der Mangel ergiebiger Quellen gestattete auch den obigen Ausführungen nicht, besonders neuartige Ergebnisse zu bringen. Immerhin wird erstmalig versucht, einen wichtigen Komplex der gleichsam nebenamtlichen Tätigkeit des Kaisers zu umreißen und aus der Fülle seiner Interessen herauszuheben, obwohl sogar in diesem Bereich eigenhändige Zeug­nisse äußerst selten sind. !) Vgl. Adam Wandruszka, Die Religiosität Franz Stephans v. Lothringen ..., in: Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs. 12. 1959, S. 164 ff. 2) Vgl. Friedrich Walter, Männer um Maria Theresia. 1951, S. 190, und Wandruszka, a. a. O., S. 163. 3) Alfred R. v. Arneth, Geschichte Maria Theresias. 7. 1876, S. 153, auch Heinrich Kretschmayr, Maria Theresia. Neue Ausgabe 1938, S. 172. 4) Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien ( = künftig: HHStA) Familien­urkunden Nr. 1951. Das Testament enthält 30 Punkte, davon scheint Punkt 7

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