Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
GOLDINGER, Walter: Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara
110 Walter Goldinger gesetzte Umschrift: Notas mihi fecisti vias vitae et replebis me iucunditate cum facie tua. Act. 2, V. 28 52). Abraham Megerle in weit jüngeren Jahren, mit schwarzem Kopf- und Barthaar, überliefert ein anderer Kupferstich an der gleichen Stelle. Das Blatt ist undatiert, läßt sich aber zeitlich ungefähr danach bestimmen, daß in der Legende wohl vom Adelstande, jedoch nicht von der Würde des Pro- tonotars die Rede ist. Der Stich ist daher zwischen 1652 und 1662 anzusetzen. Auch der Künstler ist bekannt, er hat sich auf dem Blatt vermerkt: M. Küsel f(ecit). Es handelt sich also um ein Mitglied der Augsburger Künstlerfamilie Küsel, von der zeitlich Mathäus oder Melchior in Frage kommen 53). Mit dem Speculum musico-mortuale hat sich Abraham Megerle selbst ein Denkmal gesetzt, ein dauerhafteres und aufschlußreicheres, als es sein Neffe Abraham a Sancta Clara mit seiner Epitome elogiorum zu schaffen vermochte. Sieht man von den Grenzen ab, die einer bloßen Gelegenheitsschrift gesetzt waren, befreit man dieses kleine Werk von allen rhetorischen Beigaben, so wird man doch sagen dürfen, daß der jüngere Abraham wesentliche Charaktermerkmale des älteren erkannt hat. Es hat auch eine starke persönliche Affinität bestanden. Reicht der eine mit seinen kirchenmusikalischen Werken nicht entfernt an die Bedeutung des andern als Prediger und Schriftsteller heran, in ihrer Welt- und Lebensanschauung wurzeln sie im selben Boden. sä) Dieses Zitat aus der Apostelgeschichte 2, 28 stimmt fast wörtlich mit Psalm 15, 11 überein. 53) Thieme-Becker, Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler 22, 1928, 73 f. Über weitere Bildnisse vgl. Rebholz, 153 ff.