Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
GOLDINGER, Walter: Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara
Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara 107 sich ein Terminus ante für den Druck dieser Schrift, die auf dem Titelblatt die Jahreszahl 1670 trägt. Der Onkel war darüber offensichtlich sehr erfreut, umsomehr als ihn der Neffe wenig später in Altötting besuchte. Er befand sich auf dem Wege in das Augustinerkloster Taxa in Bayern, seiner Wirkungsstätte in den nächsten Jahren. Es verwundert nicht, daß Abraham Megerle dorthin ein Predigtbuch zunächst als Leihgabe, später auf Dauer widmete 36). Von der Epitome elogiorum besaß er über 100 Exemplare. Allein 18 Stück sandte er nach Zoffingen 37), auch seine Heimatstadt Wasserburg am Inn bedachte er damit38). Weniger Freude als mit seinem Seitenverwandten Abraham a Sancta Clara, dessen Aufstieg er noch ein Jahrzehnt verfolgen konnte, hatte der müdegewordene alte Musikus an seinen eigenen Stiefgeschwistern aus der zweiten Ehe seines Vaters. Er hat diesen Schritt von vornherein mißbilligt und auch die Ehe, die diese seine Stiefmutter nach dem Tode ihres Mannes mit Georg Stächell einging, hat nicht seinen Beifall gefunden. In der Folge hatte er unter diesen Verhältnissen manches zu leiden. Nach dem Tode seines Vaters zog ihn die Stiefmutter zur Tilgung von Schulden heran, zu der er nicht verpflichtet war. Von da ab begann sich seine wirtschaftliche Lage immer ungünstiger zu gestalten39). Das hinderte ihn nicht, zur Ausbildung seiner Stiefbrüder Rupert und Sigmund Megerle wesentlich beizutragen. Er erntete vollen Undank. Rupert wurde Kapellenkaplan in Altötting, kam später auch in das Kollegiatkapitel40). Er hinterging seinen Stiefbruder zusammen mit der betrügerischen Dienerschaft, deren Abraham zur Führung des Haushaltes und für Kopistenarbeiten bedurfte41). Von dem jüngeren Stiefbruder Sigmund, für den Abraham nach seinen Angaben durch 18 Jahre gesorgt hatte, schreibt er, daß sich dieser „übel verhalten“ habe 42). Die aus der Korrespondenz Abraham Megerles mit dem Kloster Zoff ingen zu entnehmenden Nachrichten lassen sich auch in anderer Weise belegen. Sigmund war Profeß des Stiftes Dürnstein in Niederösterreich, erlangte 1659 die Subdiakonats- und Diakonatsweihe. 1665 wurde er dort zum Dechant gewählt42a). Im selben Jahr wurde er jedoch wegen seines Lebenswandels „incarceriert“ und aus dem Stift ausgestoßen. Er versah dann ohne Approbation die Pfarre Rehberg bei Windhaag in Oberösterreich. Seit 1670 war er Pfarrer in Kirchberg am Walde im nieder3«) A 1 b e r t, a. a. O., 132; B e r t s c h e, a. a. O., 202 f.; Rebholz 112. 37) Briefe vom 6. März und 4. Juni 1670. B e r t s c h e, a. a. O., 200 f. ss) A 1 b e r t, a. a. O., 18. 39) Ebd. 137 f. 4») König, a. a. O., VI/99 nr. 193. 41) A 1 b e r t, a. a. O., 141 f. 42) Ebd., 140. 42a) Am Franziskusfest 1665 predigte er in der dortigen Stiftskirche, sein Onkel Abraham Megerle zelebrierte das Hochamt, für das er auch die Musik geschrieben hatte; Rebholz. a. a. O., 108 nach einem Brief vom 10. X. 1665 im Klosterarchiv Zoffingen.