Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GOLDINGER, Walter: Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara

Die Erstlingsschrift des P. Abraham a Sancta Clara 101 Nach seinem Tode am 22. August 1847 bestand die Gefahr, daß die Biblio­thek, die 25.000 Werke in 36—38.000 Bänden enthielt, in alle Winde zer­streut würde. Niemand geringerer als Bettina von Arnim richtete damals eine Eingabe an König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen mit dem Vor­schlag, diese Bibliothek für den Staat anzukaufen. Es handle sich um ein Nationaldenkmal, das denen hohen Ruhm bringe, die es dem Vaterland erhalten7). Die Einzelheiten der sich anschließenden langwierigen Ver­handlungen, in deren Verlauf die Familie Meusebach einmal auch in Wien anfragen ließ, ob bei der Hofbibliothek ein Interesse an einer Erwerbung bestehe8), können hier nicht weiter verfolgt werden. Durch Vertrag vom 5. November 1850 überließen die Erben des Herrn von Meusebach den Bücherbestand um 40.000 Taler und die Autographen um weitere 700 Taler der königlichen Bibilothek in Berlin. Im § 4 des Instrumentes war be­dungen, daß bei jedem Stück eine Etikette über die Herkunft aus der Bibliothek Meusebach angebracht werden sollte. Obwohl es in den Vor­verhandlungen anders besprochen worden war, dürften die Dubletten zu­rückbehalten und später noch aus Einzelstücken, die in der Staatsbiblio­thek nachträglich ermittelt wurden, ergänzt worden sein. Denn am 5. März 1855 und den folgenden Tagen fand in Berlin eine Auktion statt, zu der ein Katalog erschien, der immerhin 3855 Nummern aufweist, darunter 25 Stück (Nr. 1587—1601) von Abraham a Sancta Clara9). Die Epitome elogiorum ist nicht das einzige Werk Abrahams in latei­nischer Sprache. Sieht man von der Grammatica religiosa, die auch in deut­scher Übersetzung erschienen ist, ab, so geht es in ihnen um Stoffe ähn­licher Art: Lobsprüche, Festreden wie die Novenaria septennii transactio, eine Lobschrift auf Johann Adam von Schwarzenberg 1679; Corona gloriae, eine Begrüßung des Bischofs Sinelli 1680; Applausus sine grano salis ausus, Huldigung des Erzbischofs von Salzburg, 1680 10 11). Manches von den stilistischen Eigenartenu) des sprachgewaltigen P. Abraham findet sich schon in dem barocken Latein seiner Erstlings­schrift — ex ungue leonem! Es wimmelt von Wortspielen und Alliterationen aller Art. Einige wenige Beispiele: 7) Camillus W e n d e 1 e r, Zur Geschichte des Ankaufs der Meusebachschen Bibliothek. Zentralbl. f. Bibliothekswesen 1, 1884, 213—231. 8) Adolf Wolf, Briefe von Hoffmann von Fallersleben und Moriz Haupt an Ferdinand Wolf. Sitzungsber. d. Wiener Akad. d. Wissensch., phil.-hist. Kl. 77, 1884, 185 f., nr. 30. 9) Verzeichnis von Büchern vorzüglich aus der Freihr. v. Meusebachschen Bibliothek, Berlin 1855. i») Bei B e r t sc h e, Die Werke Abraham a S. Claras in ihren Frühdrucken (Das Antiquariat 16, 1960, 1—8; 65—70), nr. 8, 13, 23. 11) Hans S t r i g 1, Einiges über die Sprache des P. Abraham a Sancta Clara. Zeitschr. f. deutsche Wortforschung 8, 1906, 206—312; Hellmut Hoffmann, Die Metaphern in Predigten und Schriften Abrahams a Sancta Clara, 1933; Marg. Stiaßny, Das Wortspiel bei Abraham a Sancta Clara. Wiener phil. Dissert., 1939.

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