Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag
GASSER, Peter: Die Handelsbeziehungen des Litorale zu den Ländern der böhmischen Krone im 18. Jahrhundert
Die Handelsbeziehungen des Litorale 93 Nächste Etappe der Rundreise war Reichenbach, wo B e n z o n i und B e r t e 11 i die Qualität der Leinen- und Wollerzeugnisse nur mäßig, das dort hergestellte Barchent hingegen hervorragend und den einschlägigen, holländischen Produkten absolut gleichwertig fanden. Benzoni hielt die in Innerösterreich für diese Waren bestehende Einfuhrsperre unbegründet, und die diesbezüglich von den Händlern und Produzenten vorgebrachten Beschwerden für berechtigt. In Glatz hatten einige Kaufleute durch Zusammenlegung ihrer Kapitalien eine Tuchfabrik errichtet. Die dort hergestellten Tuche konnten sich nach dem Urteil der beiden Italiener mit den besten Erzeugnissen aus dem Auslande messen. Die Produktion nehme ständig an Umfang zu und ließe für die Zunkunft das Beste erhoffen. An eine Messebeteiligung in Triest dachten auch die Glatzer nicht, doch hielt Benzoni die Sendung solcher Tuche nach Triest durch die Vermittlung der Wiener Geschäftsleute für durchführbar. Nach einem ersten kurzen Aufenthalt in Prag, wo er am 1. November eingetroffen war, setzte der Agent seine Fahrt mit dem Besuche der in Nordböhmen in Oberleutersdorf bei Dux gelegenen größten Tuchfabrik der Erblande fort. Besitzer dieses Werkes war Graf Emanuel Waldstein, der über sechshundert Untertanen seiner Herrschaft hier beschäftigte. Der Graf scheue, wie Benzoni bewundernd feststellte, für den ständigen Ausbau seiner Fabrik weder Geld noch Mühe. Für das u. a. hier erzeugte feinste Tuch sah der Italiener, da die Engländer und Holländer Italien mit gleichwertigen Produkten billiger versorgen könnten, nur geringe Ausfuhrmöglichkeiten. Günstigere Exportchancen räumte er den Tuchen mittlerer und billiger Qualität ein. Sichtlich beeindruckt von der Persönlichkeit des Grafen Waldstein erwartete Benzoni auch von den anderen Feudalherren Böhmens eine ähnliche Initiative, wodurch für die Monarchie die Notwendigkeit der Tuchimporte wegfallen könnte10). Auch über den Stand der Wollstrumpferzeugung zeigte sich Benzoni, nach Besichtigung der Fabriken in Fuchs und Ossek, deren Anlage und Produktionsergebnisse englischen Standard erreicht hatten, im höchsten Maße befriedigt. Wieder in Prag, setzte er seine Bemühungen um die Triester Messe in Gesprächen mit den Vorstehern der dortigen Kaufmannschaft fort. Die Prager erklärten sich zu einem Messebesuch in Triest im Prinzip bereit, machten ihre endgültige Zustimmung jedoch von der Durchführung der im Freihafenprivileg und auch in der Folge immer wieder angekündigten Zollerleichterungen abhängig. So forderten sie eine generelle Abgabebefreiung für alle aus dem Königreich Böhmen nach Triest und Fiume geio) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (312). — „... sarebbe desiderabile, che ad imitazione die questo zelante cavaliere (WALDSTEIN) gli altri Baroni richi dei Regno erigesseron simili fabriche, e metesseron li stati ereditari in postura di non aver bisogno die panni foresti ...“