Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 14. (1961) - Festschrift für Gebhard Rath zum 60. Geburtstag

GASSER, Peter: Die Handelsbeziehungen des Litorale zu den Ländern der böhmischen Krone im 18. Jahrhundert

90 Peter Gasser B e n z o n i hatte die Textilerzeuger und Händler dieser Provinzen über den geplanten Jahrmarkt näher aufzuklären und über ihre diesbezüg­liche Einstellung einen ausführlichen Bericht zu erstatten. Am 1. Oktober 1729 trat mit Beglaubigung und Empfehlungsschreiben bestens versehen, der als guter und überzeugender Redner bekannte Ben- z o n i die Reise an. Ihn begleitete als fachkundiger Berater der ferraresi- sche Händler Pietro B e r t e 11 i, von welchem angenommen werden darf, daß ihn sein einflußreicher Landsmann Fortunato Cervelli für diese Mission empfohlen hatte. B e n z o n i s Bericht (Relazione) über seine Entdeckungsfahrt, die ihn nach Brünn, Olmütz, Breslau, Hirschberg, Landshut, Schmiedberg, Reichen­bach, Peterwaldau, Glatz, Prag und Oberleutersdorf führen sollte, be­schränkte sich nicht auf die Wiedergabe der Verhandlungsgespräche mit den Tuchhändlern und Fabrikanten. Er vermittelt darüber hinaus auch ein abgerundetes Bild der einschlägigen Produktionskapazität jener Ge­biete. Von den in Mähren gebotenen Möglichkeiten schienen beide Italiener nicht wesentlich beeindruckt. So fanden sie am ersten Etappenziel ihrer Fahrt in Brünn weder Tuchfabrikanten noch sonst einen allzu regen all­gemeinen Handelsverkehr vor. Am Exportgeschäft kaum interessiert, be­schränkten sich die Brünner Kaufleute auf den lokalen Verkauf der aus Schlesien eingeführten Tuchwaren. In Olmütz lagen die Dinge etwas günstiger. Hier erzeugten Fabriken ein zwar grobes, aber qualitativ recht gutes Tuch. Die produzierten Mengen deckten den örtlichen Bedarf und reichten allenfalls noch zur Beschickung der Märkte in Linz und Bozen, aber keineswegs auch für Triest aus. B e n z o n i, der schon am 11. Oktober mit seinem Begleiter in Breslau eintraf, wurde von dem Chef der dortigen Regierungsstelle und Vorstand des schlesischen Kommerzdirektoriums Freiherrn von Brunetti bei seinen weiteren Bemühungen recht wirksam unterstützt. In drei von Bru­netti einberufenen Versammlungen setzte Benzoni den Breslauer Kauf leu ten anschaulich die Vorteile auseinander, die der künftige Triester Jahrmarkt auch ihnen bringen würde. Erhoffe man sich doch von dieser Fiera die Einleitung eines direkten Handels zwischen den Erblanden und Italien unter Ausschaltung der gegenwärtig nahezu lückenlosen Kontrolle der Venezianer6). Der Weg von Breslau nach Triest sei zugegeben wohl ein langer. Er führe jedoch über ausgezeichnete Straßen und verlasse, was sicheren Schutz für Ware und Händler bedeute, nie das kaiserliche Hoheitsgebiet7). Immer wieder auf den die Ware verteuernden venezianischen Zwischen­6) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (304). •— „... ar­bitri sin’ora dell intiero traffico ehe corre fra la Germania e Italia ...“ 7) H.H.u.StA.: Österreich-Akten, Triest-Istrien, Fasz. 9 (305). — „... re­stando per ciö sempre colle persone e mercanzie sotto una sicura protezione . ..“

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