Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)
RILL, Gerhard: Prosper Graf von Arco, kaiserlicher Orator beim Hl. Stuhl 1560 bis 1572
64 Gerhard Rill — né il piú freddo, ne ü piu fantastico, né il piú ostinato, né il piú timido in negotiare di lui — kenne. Der Gesandte aber halte das Wohlwollen, das der Kaiser ihm (Delfino) entgegenbringe, für eine Schmälerung seiner eigenen Autorität an der Kurie und habe per mer a invidia den Verkehr abgebrochen. Nur seine (Delfinos) tiefe Unterwürfigkeit (non solo servi- tore ma schiavo), — so endigt der Kardinal —, habe ihn in den termini della modestia halten können 6l). Zwei Wochen später ergänzt Delfino diese Charakteristik durch Details: in der Angelegenheit der Türkenhilfe habe Arco brüsk abgelehnt, den Befehl des Kaisers auszuführen, habe Delfinos Sekretär Fata mit den Worten dite al cardinale che non é tempo adesso abgewiesen, — nur weil er bei einem Bankett im Hause Altemps nicht den ihm angeblich gebührenden Platz erhielt; trotzdem bitte er (Delfino) den Kaiser, er möge Arco vergeben, denn der Gesandte sei das Opfer seiner Launen und seines Geltungsdranges 62). Delfino wußte sehr gut, was für ihn auf dem Spiel stand. Wenn es Arco gelang, den Kaiser für sich zu gewinnen, dann hatte der Kardinal seinen zur Zeit wirkungsvollsten Rückhalt gegenüber dem Papst verloren. Alle Möglichkeiten einer obskuren Hintertreppendiplomatie werden daher aufgeboten, um den Gesandten zu Fall zu bringen. Arco wird bespitzelt — Delfino gibt dies offen zu —, unkontrollierbare, den Gesandten belastende Erklärungen Alessandrinos werden kolportiert, die Verhandlungstaktik Arcos wird unter die Lupe genommen, Fehler werden aufgegriffen und verallgemeinert, daraus entstehende Gefahren für den Kaiser angedeutet; was von dem Gesandten übrig bleibt, ist das wahre Zerrbild eines Diplomaten63). Für Maximilian II. bedeutete dieser Konflikt eine sehr unliebsame Überraschung. Zunächst befahl er Versöhnung, nahm den Gesandten dem Kardinal gegenüber auch einmal in Schutz, wandte sich jedoch schließlich mit größerer Härte gegen Arco. Es entsprach sowohl dem Charakter des Kaisers als auch der Gesinnung seines Hofes, wenn man hier den Weg des geringeren Widerstandes, der außerdem durch die lauten Anklagen Delfinos und das Schweigen Arcos vorgezeichnet schien, einschlug; ja man schickte sogar ein Duplikat der Maßregelung des Gesandten an Delfino, der auch sofort gegen die ihm auferlegte Schweigepflicht verstieß und — eine Versöhnungsvisite bei Arco machte64). Kurz darauf verfaßte er eine neuerliche, diesmal mehr in belehrendem Ton gehaltene Schmähschrift auf den Gesandten 65). 61) Delfino an Maximilian II. am 3. April 1568: Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Handschrift W 290/1 fol. 405—411. 62) Delfino an Maximilian II. am 17. April: Rom Hofkorr. 7. — Vgl. Nuntiaturberichte II 6, 149 f., 408. 66) Delfino an Maximilian II. am 24. April: Rom Hofkorr. 7. 64) Weisung vom 5. Mai, wo es heißt, Arco habe des Kaisers Meinung schon in aliis separatis litteris kennengelernt: Nuntiaturberichte II 6, 150; diese Weisung (vom 2. Mai) ist nicht erhalten. 65) Nuntiaturberichte II 6, 160.