Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 13. (1960)

PILLICH, Walter. Kunstregesten aus den Hofparteienprotokollen des Obersthofmeisteramtes von 1637–1780

Rezensionen 591 der mit der Änderung der Besitz- und Eigentumsverhältnisse verbundenen Umstellung kennzeichnen. Beispiele aus den Kreisen des Handwerks, des Bergbaus und aller Zweige der Industrie werden angeführt, und der Leser erhält auf solche Weise Einblick in den Alltag der Schuhmacher- oder Hut­machergehilfen, in die Lebensumstände der Arbeiterinnen in den Tabak­fabriken sowie in ihre kleinen Freuden und großen Sorgen. Man bemerkt, daß sich fast sämtliche Gegenden des damaligen Ungarns an diesen um­wälzenden Aktionen beteiligt haben. Denn es scheinen nicht nur die Teile jenseits der Donau, die Tiefebene und das Theißgebiet in den gebotenen Beispielen auf, sondern auch einzelne Gemeinden der heutigen Slowakei, Jugoslawiens und Rumäniens. Mit bemerkenswertem Fleiß und Spürsinn sammelte der Bearbeiter aus dem fast unerschöpflichen Reservoir des Ungarischen Staatsarchivs alles, was zur Charakteristik der Arbeiter und Bauern des 19. Jahrhunderts dienen könnte, die vor allem um bessere Bedingungen, um eigenen Grund und Boden, um höhere Arbeitslöhne, aber auch um einen unabhän­gigen Staat, um demokratische Regierung sowie sichtlich schon um die Schaffung einer eigenen Partei kämpften. Aus dem Stil der eindrucksvollen und vielfältigen Dokumente meint man die eigentümliche Stimmung jener stürmischen Übergangstage herauszuspüren. Sashegyi, der nur die bedeutendsten Schriftstücke in extenso wieder­gibt, verwebt in die Auszüge aus den übrigen Akten sowie in seinen Kom­mentar alles, was sich im Zusammenhang mit seinem Thema im Staats­archiv in Budapest finden ließ, so daß seine Edition nicht nur eine inter­essante und lehrreiche Lektüre bietet, sondern auch dank der gebotenen Fülle bisher unbekannter Daten und Fakten jedem Historiker und Ge­schichtslehrer wertvolle Anregungen zu vermitteln imstande ist. Besondere Anerkennung gebührt dem mit ungemeiner Sorgfalt gearbeiteten wissen­schaftlichen Apparat (Anmerkungen, Fundortsverzeichnis) sowie den (Orts-, Personen- und Sach-)Registern, die, von Frau Zsigmond Kirilly angefertigt, wirklich ihre Aufgabe, der Schlüssel des Werkes zu sein, voll und ganz erfüllen. Hanns Leo Mikoletzky (Wien). Zeitschriften, Festgaben u. a. Archivalische Zeitschrift. Im Aufträge des Bayerischen Hauptstaatsarchivs und in Verbindung mit Hans Goetting, Walter Goldinger, Anton Largia- dér, Max Miller, Johannes Pap ritz und Georg Wilhelm Sante herausgegeben von Otto Schottenloher. Karl Zink-Verlag, München, 56. Band, München 1960, 212 Seiten, Tafel I—VI. Archivbestände: F. Bock faßt in der Arbeit „Kodif izierung und Registrierung in der spätmittelalterlichen kúriaién Verwaltung“ (Seite 11 bis 75) die Ergebnisse seiner langjährigen Forschungen über die Register­führung, die er an verschiedenen Stellen veröffentlicht hat, zusammen. Die Ausführungen, die einige Male von temperamentvollen Ausfällen gegen Gelehrte, die eine andere Hypothese vertraten, unterbrochen werden, können in ihrem Inhalt in diesem Rahmen auch nicht auszugsweise wiedergegeben

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